Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Sommerliches Wetter und eine wunderschöne Location erwarteten uns und die anderen Besucher, als wir am 31. Mai 2008 gegen Miitag das Gelände der Zitadelle im Berliner Stadtteil Spandau betraten. Diese gilt als eine der bedeutendsten und besterhaltenen Renaissance-Festungen Europas – wuchtige Mauern und Bastionen umgeben ein viereckiges, an jeder Seite etwa 200 Meter langes Areal und bildeten somit eine stimmungsvolle Kulisse.

Vor der großzügig bemessenen Bühne bot sich genügend Platz für die Zuschauer, während ringsum an den Seiten verschiedene Stände mit all dem aufwarteten, was für das leibliche Wohl nötig war. Selbst für Cocktails war gesorgt – ein Angebot, das viele Festivalbesucher gerne annahmen und was für bunte Farbkleckse inmitten der vorwiegend schwarzgewandeten Menge sorgte. 😉
Gothische Bekleidung und ebensolche Accessoires konnte man natürlich auch erstehen.
Gegen 15 Uhr war es schließlich soweit: Neo Scope, Carter, Convex sowie Mr. Mahony – besser bekannt unter ihrem Namen Down Below – betraten die Bühne. Der recht androgyn wirkende Sänger Neo hatte sich wie gewohnt mit Reithose und Gehrock in Schale geworfen und wurde von seinen Fans jubelnd begrüßt. „Sinfony 23″ eröffnete die Show, ehe Hits wie „Private Soul Security“ oder „Dark Queen“ folgten.
Auch der Titel „Sand in meiner Hand“ durfte natürlich nicht in der Setlist fehlen, hatte man mit ihm doch kürzlich den Bundes Vision Songcontest bestritten und einen dritten Platz belegt. Als Bonbon zum Schluss des etw halbstündigen Auftrittes präsentierte man den Fans mit dem Stück „Frei“ anschließend noch eine brandneue Kreation aus dem Hause Down Below.
Gut eingestimmt auf die weiteren Acts nutzten wir die anschließende kurze Pause, um den diversen Merchandise-Ständen einen Besuch abzustatten. Viel Zeit dazu blieb uns jedoch nicht, da man sich beim Umbauen der Bühne mächtig ins Zeug legte, um dem Publikum alsbald die nächste Show bieten zu können.
Mit den norwegischen Jungs von Zeromancer ging’s weiter, und die Fans erwartete ein Reigen der gleichermaßen bekannten wie eingängigen Hits „Need You Like A Drug“, „Clone Your Lover“ oder „Dr Online“. Anbetrachts der stechenden Sonne hatte sich ein Teil der Zuhörerschaft zwar in die einige Meter abseits der Bühne gelegenen schattigen Bereiche zurückgezogen, aber die Stimmung war zweifelsohne gut.
Nicht zuletzt dürfte auch der entblößte Oberkörper von Sänger Alex Møklebust die Blicke einiger weiblicher Fans auf sich gezogen haben. 😉
Als nächstes standen Eisbrecher auf dem Programm. Wieder ein Sänger namens Alex, und dieser Herr dürfte dem ein oder anderen geneigten Hörer bereits anderweitig bekannt sein – von der Band Megaherz, die er seinerzeit zusammen mit Noel Pix verließ, um gemeinsam das Projekt Eisbrecher zu gründen.
Wer es härter und in einer Mischung aus Rock und Elektro mag, der kam hier voll auf seine Kosten. Das Publikum war begeistert von Stücken wie „Phosphor“ oder „Antikörper“ und dem Auftritt der gut gelaunten Truppe. Alex merkte an, dass Eisbrecher wohl die einzige Band dieses Tages wären, die nichts mit dem Bundesvision Song Contest am Hut hätten – allgemeines Grinsen im Publikum.
Die Veranstalter haben zwar vorbildlich immer wieder Becher mit Wasser ins Publikum gereicht – ein großes Lob hierfür an dieser Stelle – aber allmählich wurde es mir doch eindeutig zu warm und ich beschloss, mich erst einmal an einem der zahlreichen Essstände gütlich zu tun und mich anschließend mit etwas zu Trinken in den Schatten zu setzen. Während man mit so mit dem ein oder anderen Sitznachbarn ins Gespräch kam, erlebte ich den nun folgenden Auftritt der Dreadful Shadows aus einiger Entfernung. Unser Fotograf war natürlich ganz vorne mit dabei und hielt die Show in Bildern fest.
Anschließend war es Zeit für Unheilig, die Bühne zu betreten, von den Fans frenetisch begrüßt. Die bereits von der Puppenspieler-Tour her bekannte Bühnendekoration mit großen Kerzenständern kam anbetrachts des noch herrschenden Tageslichts zwar nicht ganz so schön zur Geltung wie in einer schummrigen Konzerthalle, aber musikalisch bot man wie immer einen Top-Act.
Songs wie das brandneue Stück „Puppenspieler“, „An deiner Seite“ oder das großartige „Freiheit“ rissen das Publikum in ihren Bann und wurden dementsprechend gebührend gefeiert, indem die Fans immer wieder Refrains und einzelne Partien mitsangen und die Stücke anschließend ausgiebig beklatschten.
Gespannt beobachteten wir anschließend die Vorbereitung für den ASP’schen Auftritt: an der Rückwand der Bühne montierte man ein überdimensionales, eindrucksvolles schwarzes Banner mit dem bekannten Schmetterlingsmotiv darauf.
Alte und neue Stücke präsentierten Herr Asp und die Seinen anschließend in einem wahren Feuerwerk aus Hits: „Sing Child“, „Sanctus Benedictus“, „Ich bin ein wahrer Satan“, „Werben“, „Und wir tanzten…“, „Ich will brennen“, … und das Publikum tobte. Kaum jemand, der noch still stand, ungeachtet der nach wie vor hohen Temperaturen (die beiden Pyrosäulen links und rechts der Bühne kühlten die Luft auch nicht gerade ab…) war alles war am Tanzen und Feiern. Was für eine Atmosphäre!
Das Festival neigte sich nun allmählich seinem Ende zu, aber in der hereinbrechenden Dämmerung machte sich nun noch ein Highlight bereit für seinen Auftritt: Subway To Sally.
Selbst eher szenefremden Menschen dürfte diese Formation spätestens seit ihrem Sieg beim diesjährigen Bundesvision Song Content ein Begriff sein.
Da die Umbauphase aber diesmal etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, schlenderten wir noch ein wenig über das Gelände und hielten einige Pläuschchen, dankbar für die laue Abendluft, die uns ein wenig Abkühlung verschaffte.
Dann endich war es soweit: Enter Eric Fish, Frau Schmitt sowie die restliche männliche Besetzung der Truppe!
Los ging es nach dem charakteristischen „Hallo Freunde!“ zunächst mit neuem Material vom Bastard-Album, untermalt von einer lebhaften, mit Pyroeffekten und sonstigen feuerspielchen bereichterten Bühnenshow. Diese konnten in der Dunkelheit, die sich mittlerweile über die Zitadelle gesenkt hatte, ihre Wirkung voll entfalten und beschworen eine wunderbar dichte Atmosphäre mit Gnsehautfaktor herauf.
Einige Stücke später kramte man schließlich in der langen Bandgeschichte und förderte Fan-Lieblinge wie „Kleid aus Rosen“, „Falscher Heiland“, „Henkersbraut“ oder schließlich das fulminante „Julia und die Räuber“ zu Tage.
Die Fans tanzten sich die Seele aus dem Leib und es war einfach – bombastisch!
Gegen halb elf hieß es dann leider auch schon Lebwohl sagen – die Sallys verließen die Bühne und ein Großteil der Festivalbesucher strömte gemächlich zum angrenzenden Partygelände, auf dem eine Aftershow-Party stieg.
Anbetrachts der Tatsache, dass wir aber noch unsere 600 Kilometer Heimfahrt bis nach Köln vor uns hatten, machten wir uns jedoch lieber auf den Heimweg (nicht ohne einen kurzen Abstecher zu einem der Merch-Stände, an dem ich endlich mein Zeromancer-Shirt bekam) – abgekämpft und fertig, aber sehr, sehr begeistert.

Bis zum nächsten Jahr!

Festivalfotos

 

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