Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Konzertberichte  |  

Man mag sich fragen, welche Art von Konzert für Band und Publikum wohl die schönere ist: große, ausverkaufte Hallen, in denen man sich kaum noch rühren kann, oder kleinere Clubauftritte, bei dem die Künstler quasi jedem Fan einzeln in die Augen sehen können und die Atmosphäre sehr persönlich ist.

Solch ein eher intimes Konzert durfte ich am Abend des 9. Aprils im Kölner Underground erleben: Xandria hatten sich angekündigt, und mit ihnen als Vorbands Mely sowie die Schweizer Formation Stoneman.

Von dem Auftritt der als Erstes spielenden Metaller von Mely habe ich leider nur noch die letzten Takte mitbekommen – die Zahl der Anwesenden hielt sich hier noch sehr in Grenzen.

Zumindest etwas voller wurde es während der anschließenden Umbauphase, während der die Bühne für die Schweizer Mikki Chixx, Rico H, Mr Fly und Dave Snow hergerichtet wurde. Seit 2004 ist man nun irgendwo im weitläufigen Gebiet zwischen Metal, Gothic, Rock und Industrial unter den Namen Stoneman unterwegs.
Die Exzentrik der Künstler beschränkt sich hier nicht nur auf die Pseudonyme – auch vom Optischen her fallen die Männer aus Stein aus dem Metaller-Rahmen. Recht metrosexuell in Styling und Outfit kommen sie alle vier daher und lassen bei dem ein oder anderen dann doch Assoziationen mit Tokio Hotel wachwerden.

In erster Linie hatte man Songs von der aktuellen Scheibe „How To Spell Heroin“ im Gepäck und präsentierte eine gelungene Show, die bei den Anwesenden gut ankam und durchaus mehr Publikum verdient gehabt hätte.

Schließlich war es soweit: nach und nach betraten die Künstler Lisa Middelhauve (Gesang) , Marco Heubaum und Philip Restemeier an den Gitarren, Bassist Nils Middelhauve sowie Schlagzeuger Gerit Lamm – allesamt besser bekannt als Xandria – die Bühne.
Los ging es mit einem Song des aktuellen Albums, A New Age. Im Laufe des Abends führte man das Publikum quer durch die Bandhistorie und präsentierte volle anderthalb Stunden lang einen bunten Querschnitt des bisherigen Schaffenswerks.

Frontfrau Lisa war eindeutig anzumerken, wie viel Spaß ihr der Auftritt bereitete – mit leuchtenden Augen gab sie einen Song nach dem nächsten zum Besten und verzauberte die Anwesenden dabei mit ihrer perfekt beherrschten Stimme. Später plauderte sie noch ein wenig aus dem Nähkästchen: am Abend zuvor hatte man ein undefinierbares Gebräu gebechert und den Tag des Auftritts erst einmal mit einem Filmriss beginnen lassen. Nicht, dass dieser Umstand der Performance einen Abbruch getan hätte – vor allem Lisa begeisterte das Publikum.

Nach einer ausgesprochen prallen Spielzeit von anderthalb Dutzend Songs neigte sich der Auftritt schließlich dann doch seinem Ende entgegen. Fazit: schade, dass nur so Wenige an diesem Abend den Weg ins Underground gefunden hatten. Ihr habt eindeutig etwas verpasst!

Edit: wie Ende April bekannt gegeben wurde, hat Sängerin Lisa Middelhauve die Band aus persönlichen Gründen verlassen. Dieser Auftritt in Köln war also eine der letzten Gelegenheiten gewesen, die sympathische Dame auf der Bühne erleben zu dürfen.

Konzertfotos

 

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