Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Am Montag schließlich war es leider schon soweit: der letzte Tag des diesjährigen Wave Gotik Treffens brach an. So machten wir uns ein letztes Mal auf den Weg, um von unserem Quartier in Altenburg aus, das etwa 20 Kilometer von Leipzig entfernt liegt, zum Ort des schwarzen Geschehens zu fahren, Destination Parkbühne.
Wer kennt ihn nicht, jenen Hit von der Band Lucilectric, der vor einigen Jahren im Radio rauf- und runterdudelte: „Weil ich ein Mädchen bin, weil ich ein Mädchen bin…“ – Die gleiche Sängerin, Luci van Org, hat nun seit einiger Zeit ein neues Projekt am Start, das sich so ganz und gar von dem damaligen Stil unterscheidet: Üebermutter
In einem Interview mit der Zeitschrift stern beschreibt die Berlinerin Luci das Konzept von Üebermutter wie folgt: „[…] einem optisch-musikalischen, etwas krawalligen Gesamtkunstwerk: „Üebermutter“. Wir sind vier Frauen in Uniform und ein Mann. Der ist einerseits einer der besten Gitarristen Europas und hat zum anderen als Unheiland die messianische Erlösung der Männer durch Leiden zu erreichen.“
Nun denn.
Als die Gruppe bei strahlendem Sonnenschein die Parkbühne betrat, fiel schon der erste optische Eindruck positiv aus: die Damen in Lackcorsagen und mit Kappen gekleidet, die an eine Persiflage auf Nazi-Uniformen denken ließen; eine von ihnen mit komplett geschwärztem Gesicht; dazu der Herr Unheiland, der im Laufe der Show desöfteren mit Peitschen gezüchtigt wurde… Feminismus à la Subkultur.
Neben diesen Fetisch-Elementen durften auch Anspielungen auf das Christentum nicht fehlen – so bekam Unheiland, passend zum Namen, später eine Dornenkrone auf’s Haupt gesetzt. Der Nationalsozialismus wird von Üebermutter nicht nur durch die Uniformen thematisiert, sondern auch durch Fragen wie „Wollt ihr… das totale Lied?“ – eine gefährliche Gratwanderung zwischen Persiflage und Neonazitum, bei der Üebermutter allerdings betonen, das Ganze sarkastisch auf die Schippe nehmen zu wollen.
Gespielt wurden Stücke wie „Mädchen Teil Zwo“ – eine direkte Anspielung auf die musikalische Vergangenheit Lucis – „Heim und Herd“ oder „Am Anfang war das Weib“, die allesamt für Stimmung sorgten und es das Publikum bedauern ließen, dass der Auftritt nach einer halben Stunde schon vorüber war.
Weiter ging es mit Gothic Logic, die nicht nur einen recht klischeehaften Bandnamen tragen, sondern auch vom Optischen her den Titel „truester Gothic ever“ verdient hätten. Im freundlich-hellen Tageslicht wirkten die Damen und Herren dann doch leicht deplatziert und hätten sich defintiv besser in einer verrauchten, düsteren Location gemacht.
Die Mischung aus Gothic-Rock und Industrial kam aber nichtsdestotrotz einigermaßen gut beim Publikum an, wenngleich sich der Abgang der Band sehr abrupt und unverhofft gestaltete.
Wenn man sich so auf dem Festivalgelände umschaut und die teils aufwändigen Stylings der Festivalbesucher ansieht, dann dürfte klar sein, dass die Metallspürhunde auf jeden Fall fündig werden dürften. 😉
Die Schweizer Formation spielte mit viel Elan und stieß auf eine begeisterte Resonanz bei den Fans, die größtenteils vor der Bühne tanzten.
Die gute Laune bei den Besuchern steigerte sich noch einmal, als im Werk II die Bloodsucking Zombies From Outer Space die Bühne betraten und die kommenden Stunden einleiteten, die ganz im Zeichen des Horrorpunks standen. Laut eigener Aussage stammt die Band vom weit entfernten Planeten Transilvania und kam auf die Erde, um „die Menschen mit der Musik des Bösen, dem Rock‘n Roll, zu überfluten und den wohl mit Abstand blutigsten Rock‘n Roll zu spielen, den Mutter Erde je erlebt hat.“ - Na dann.
Auch The Spook, Stellar Corpses und Der Fluch schlugen größtenteils die gleiche Musikrichtung ein, zu der sich Elemente des Psychobilly gesellten. Die Stimmung im Publikum hätte nicht besser sein können, und ich konnte mir beim Anblick der mit viel Theaterblut und Schminke hergerichteten, splattermäßig geschminkten Gestalten, die ausgelassen und fröhlich vor der Bühne tanzten, ein Grinsen nicht verkneifen. 😉
Müde, aber zufrieden hieß es schließlich für uns, Abschied zu nehmen von den Freunden, die wir auf dem WGT wiedergetroffen oder kennengelernt hatten, und uns auf den Weg zurück nach Köln zu machen. Rückblickend war es wieder ein sehr schönes und ausgegliches Wochenende.
Mit großer Vorfreude warten wir also schon auf das WGT 2009 vom 29. Mai bis zum 1. Juni 2009 in Leipzig! 🙂

Festivalfotos

 

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