Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Konzertberichte  |  

Erwartungsvolle Blicke hatten sich längst auf den weißen Vorhang vor der Bühne geheftet, als die Security ihn schließlich auf Seite zog: heute Abend würden sich Welle: Erdball in der Kölner Live Music Hall die Ehre geben.

Den zahlreich erschienenen Fans bot sich denn ein ausgefallenes Arrangement auf der recht geräumigen Bühne:
während sich A.L.F. mit dem C-64 und den Synthesizern im Hintergrund positioniert hatte und sich Sänger Honey hauptsächlich mittig im Vordergrund bewegte, wurden sie von den beiden Damen flankiert. Plastique und Fräulein Venus nahmen ihre Plätze links und rechts auf der Bühne ein – zum Teil jeweils auf einem interessanten Konstrukt aus je zwei dreieckig angeordneten Neonröhren, die oben durch eine waagerechte Stange verbunden waren und durch ein Rad in der Mitte gedreht werden konnten. Somit kurbelten die Damen zu einigen Songs dieses Gebilde an, während abwechselnd rote, blaue oder grüne Lichtstreifen sie umgaben.

Zunächst aber standen alle vier wie angewurzelt auf ihrer jeweiligen Position, bewegten nur die Oberkörper abgehackt, ganz in Maschinenmanier.
Dazu trug jeder eine Maske vor dem Gesicht, die sich zur Seite klappen ließ, nur um eine weitere Maske zu offenbaren: grün, mit Leiterbahnen, ein stilisiertes PCB also.

Nach diesem Intro hatte man noch kurz mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, dann konnte es jedoch richtig losgehen.
Unter begeistertem Klatschen und Jubeln seitens der Fans jagte nun ein Hit den nächsten: Das Alpha-Tier, Das Souvenir, Der Telegraph, Elektrosmog, Mensch aus Glas, Wir wollen keine Menschen sein, …

Einige Stücke später verschwanden die beiden Damen kurz hinter die Bühne und tauschten ihre schwarzen Uniformen gegen weiße, knielange Kleider mit Blümchenmuster – ganz im Stil der 50er.

Der Auftritt hat wohl nicht zuletzt deswegen soviel Spaß gemacht, weil man der Band den Aufwand anmerkte, mit der er vorbereitet worden war. So hatte man sich zu diversen Stücken Requisiten zurechtgelegt, die thematisch passend während der einzelnen Songs ans Publikum verteilt wurden: Wunderkerzen, ein Glas Wein, bei dem ein glücklicher Fan mit Plastique anstoßen durfte, in die Menge geworfene CDs, …
Zu „Hoch die Fahnen“ schwenkten Fräulein Venus und Plastique jeweils eine immense Fahne mit dem Welle: Erdball-Logo; bei „Schweben Fliegen und Fallen“ wurden einige überdimensionale rote Luftballons ins Publikum befördert.

Als Honey schließlich mehrere grüne Papierflieger zu Hand nahm, wussten die Fans Bescheid: „Starfighter F-104G“! Ein großes, schwarz-weiß-rot lackiertes Ölfass wurde auf die Bühne getragen und während „Arbeit adelt“ von Honey ordentlich bearbeitet.

Plastique gab mit „Ich bin aus Plastik“ ein Stück vom aktuell geplanten Album zum Besten. Die Single wird bald auf Vinyl erscheinen.

Weitere Höhepunkte des Abends waren „W.O.L.F.“, „Wo kommen all die Geister her“, „VW Käfer“ sowie „Monoton & Minimal“. Auch die Illuminaten kamen mit „23″ nicht zu kurz.

Gegen Ende des Auftritts versäumte Honey es nicht, mehrfach auf die am Merch-Stand ausliegenden Unterschriftenlisten zugunsten des Tierschutzes hinzuweisen.

Viel zu früh war das Konzert dann schließlich vorbei – wie Honey mit einem Grinsen anmerkte: „Jetzt haben Sie Ihr Geld aber wirklich drin!“

Konzertfotos

 

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