Bericht: Diana Dittrich  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

In Köln, an der Expohalle angekommen, hieß es erst mal anstehen, da wir aber etwa eine Stunde nach Einlassbeginn ankommen, müssen wir nicht allzu lange in der Kälte stehen und kommen zügig in die Halle. Doch leider zu früh gefreut, als wir unsere Jacken zur Garderobe bringen wollen, erwartet uns dort eine beachtliche Schlange. Nachdem wir auch diese Hürde mit einigem Warten überstanden haben, heißt es erst mal Halle erkunden.
In der Eingangshalle hat sich der Graf eine Ecke eingerichtet, in der er auch momentan zu finden ist, um dort mit seinen Fans Fotos zu machen und um ihnen fleißig Autogramme zu schreiben. Vom Grafen selber sieht man kaum was, dafür ist die Menge um ihn herum zu groß. Dort kann man ihn aber auch noch während den Auftritten von Staubkind und Eisbrecher finden, wo die Menschenmenge allerdings auch nicht unbedingt geringer ausfällt. Aber der Graf kümmert sich geduldig um seine so zahlreich erschienen Fans.
Die eigentliche Halle ist riesig, immerhin werden am heutigen Abend bis zu 4.000 Menschen erwartet. An beiden Seiten der Halle sind große Getränkestände aufgebaut, kaum zu übersehen, und auch in der Mitte ist ein großer Getränkestand aufgebaut. Im hinteren Teil der Halle befindet sich dann noch ein Essensstand, der Gerichte anbietet, die die Namen von Songs von Unheilig tragen. So kann man beispielsweise eine Pizza namens „Spiegelbild“, oder ein Hotdog namens „Feuerengel“ kaufen. Die Idee ist doch recht originell. Allerdings braucht man Chips, um sich ein Getränk, oder um sich etwas zu Essen zu kaufen. Für diese gibt es in der gesamten Halle nur ganze zwei Stände. Ein Chip kostet allerdings 3 €. Ein bisschen viel finde ich, für eine Cola. Diese waren blau und mit dem Unheilig & Friends Logo verziert. Wenn man sich allerdings ein Getränk an der Theke holen will, muss man dort noch einmal 2 € Pfand hinlegen. Ein wenig sinn frei die ganze Sache mit den Chips, in meinen Augen. Auf den Plastikbechern war dann aber ebenfalls das Unheilig & Friends Logo abgedruckt. Die Becher dürften doch zahlreich als Souvenir mit nach Hause genommen worden sein. In der hinteren linken Ecke findet man dann noch einen großen Merchandise-Stand mit Artikeln von Unheilig, Eisbrecher und Staubkind. Hinten rechts dann noch ein kleiner Gothic-Stand. Nichts besonders großes, aber von der Idee her doch gut.

Bauchredner Micha

Auf der Bühne steht dann auch schon das geheimnisumwobene Vorprogramm, über das es im Voraus keinerlei Informationen gegeben hatte, in Form von Bauchredner Micha. Naja, als Warm-Up für einen Abend wie den heutigen vielleicht ein wenig unpassend, erinnert seine Show mit seinen Handpuppen (einem Hasen und später auch einem Storch) doch eher einem Belustigungsprogramm für einen Kindergeburtstag. Die Witze, die hier zum Besten gegeben werden, sind eher flach, kaum etwas dabei, wo man vielleicht doch mal mit lachen könnte. Nachdem der Hase, und wenig später auch der Storch mit ihrem Programm fertig war, war es Micha (leider) noch nicht. Er geht kurz von der Bühne und kommt mit einem Fan namens Carmen und dem Grafen wieder auf die Bühne um seien Show noch weiter zu führen. Hierbei nimmt er jeweils eine Hand von beiden und diese müssen den Mund bewegen, während Micha für sie spricht. Für das Publikum vor der Bühne ist dieser Teil des Auftrittes sichtlich spannender und lustiger, wie es noch die Handpuppen waren. Der Graf, so scheint es an einigen Stellen, kann es nicht wirklich glauben, dass er sowas sagt, beziehungsweise bei so etwas mitmacht. Hier einmal eine kleine Kostprobe seines Programmes:
Micha: „Singst du in Dur oder Moll?“
Der Graf: „Ich singe HIER!“

Gezeugt auf dem blutigen Weg meiner Träume
Geboren aus den Schmerzen meiner Gefühle
Genährt aus der Sehnsucht, nach dir
Fang dir deine Träume

Staubkind

Mit diesem Intro betreten Staubkind nach einer kurzen Umbauphase gegen acht die Bühne. Zu Anfang erzählt Sänger Louis Manke, dass er zu Unheilig eine ganz besondere Beziehung hat, hatte Staubkind doch 2004 auf einem Unheilig-Konzert in der Schweiz ihren ersten Auftritt. Und auch heute Abend sind Staubkind ein recht passender Opener, lässt sich doch auch in der Musik eine gewisse Nähe zur der vom Grafen feststellen. Leider ist die Akustik nicht ganz so toll, weswegen die Musik teilweise nicht so gut rüberkommt, wie es auf den Platten der Fall ist. Umso bemühter ist Louis Manke, das Publikum zum mitsingen zu animieren, was ihm leider nicht immer ganz so gelingt, da das dieses teilweise nicht sehr „Staubkind-Textsicher“ zu sein scheint. In den 50 Minuten, die der Band zur Verfügung stehen, schafft sie es trotzdem, eine gute Mischung aus ihrer Diskografie zum Besten zu geben.
Setlist von Staubkind
- Intro
- Erinnerung
- Dein Engel schweigt
- Viel mehr
- zu weit
- Schlaflied (Unheilig Remix)
- Halt mich
- Abschied
- Knie nieder (Remix)

Eisbrecher

Gute 20 Minuten später: Die Bühne ist in rotes Licht getaucht, Nebel wabert über die Bühne und Alexx, der Sänger von Eisbrecher stürmt mit zwei Eispickeln bewaffnet auf die Bühne. Nach der doch eher ruhigen und melancholischen Musik von Staubkind, wird dem Publikum nun bei Eisbrecher so richtig eingeheizt. Alexx, der sich für diesen Auftritt extra einen „edlen Zwirn“ besorgt hat, da er nach eigener Aussage nicht in „Schweinsklamotten auftreten kann, wenn man bei einem Adligen ist“. Mit den Worten „Aber trotzdem ist mir zu heiß,…“ entledigt er sich wenig später vom Jackett, kurz bevor er den Song „Antikörper“ anstimmt. Ein paar Lieder später verkündet er dann dem Publikum, dass der erste Knopf von seiner Weste abgesprungen sei, aber wie wir ja wüssten wäre Weihnachten und die ganzen Kekse würden ihn fett machen.
Die Musik fuhr den meisten Zuschauern in die Glieder, sodass auch die Leute, die teilweise noch am Hallenrand auf der Erde saßen, sich zum Rhythmus der Musik bewegten. Leider war der Auftritt von Eisbrecher allzuschnell zu Ende, doch, wie nicht anders zu erwarten, tobte nach dem letzten Stück die Menge und forderte eine Zugabe.
Alexx ließ sich nicht lumpen und gab sie den Fans gerne. Dafür hatte er sich sogar eine neue Kopfbedeckung zugelegt. Einen Jägerhut, den er nach dem Konzert dem Grafen schenken wollte (das letzte Lied war natürlich „This is deutsch“). Ob der Graf diesen schlussendlich auch erhalten hat? Man weiß es nicht,… Doch eines wissen die weiblichen Fans nach diesem Auftritt ganz gewiss: Alexx sieht verdammt gut aus – Oben ohne 🙂

Setlist von Eisbrecher
- kann denn Liebe Sünde sein
- Angst
- Antikörper
- Willkommen im Nichts
- Herzdieb
- leider
- Vergissmeinnicht
- Schwarze Witwe
- Heilig
- Venus
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- This Is Deutsch
- Miststück

Unheilig

Nach einer relativ kurzen Umbauphase wurden auch schon die für Unheilig so typischen Kerzen vor dem Puppenspieler-Logo angezündet, doch dauerte es dann noch eine Weile, bis Henning, Licky und der Graf auf die Bühne kamen.
Henning und Licky schlichen sich auf die Bühne, dann „Ich schenk dir einen Traum“ aus dem Off und der Graf springt in tosendem Applaus auf die Bühne und legt gleich mit „Puppenspieler“ so richtig los. Während der ersten vier Lieder lässt der Graf den Fans gerade mal kurz Zeit zu applaudieren, rennt währenddessen von einem Ende der Bühne zum anderen und nimmt sich keine Zeit, seine Songs anzumoderieren.
Erst vor dem fünften Lied nimmt er sich die Zeit, zu den Fans zu sprechen. Er wäre erstaunt, dass die Fans den Song „Schlaflos“ von der CD „Spiegelbild“ als zweitbesten Song gewählt hätten. Denn wie bereits im Vorfeld bekannt war, durften die Fans abstimmen, welche Songs Unheilig auf diesem Konzert spielen. Ungewöhnlich ist es auf alle Fälle, dass dieser Song so gut abgeschnitten hat, denn er gehört ja eigentlich nicht zu den typischen Liedern, die man von Unheilig so kennt.
Durch diesen Song kehrte auch wieder ein wenig Ruhe ein, denn nach „Schlaflos“ folgten erstmal zwei Weihnachtslieder von seinem Album „Frohes Fest“. Und man kann sagen, dass dem Grafen auch solche, von ihm eigens interpretiere, Lieder gut stehen. Aber um nicht zu viel heimelige Stimmung zu erzeugen, stieg der Graf dann vom ruhigen Weihnachtslied um auf „Auf zum Mond“, bei welchem er die Fans dazu animierte, ihm ihre Hände zu zeigen.
Und noch einmal wird er kurz darauf sehr leise, nämlich in dem Moment, in dem er seinen Fans erzählt, wie er es empfunden habe, am Nachmittag in die Halle zu kommen und diese riesige Halle ganz leer zu sehen. Er war von einem kleinen Clubkonzert ausgegangen und als er die riesige Halle sah, hätte er leicht Angst bekommen, dass sich diese am Abend nicht mit Menschen füllen ließe. Aber wie sich herausstellte, war die Angst des Grafen unbegründet, denn die Halle war mehr als gut gefüllt. Bei seinem nächsten Song „Sei mein Licht“ verkündete er, dass er den Song für seine Eltern geschrieben habe, die heute irgendwo in dieser Halle seien um sich seine Darbietung anzuschauen. Und ich glaube, wenn man den Grafen bei solchen Aussagen beobachtet, dann erkennt man, warum so viele Fans ihn mögen, denn das kommt nicht kitschig rüber, sondern zeigt das Charisma, was dieser Mann besitzt.
Danach zog er aber seine Show bis zum Ende wie gewohnt durch, bis irgendwann mit „Die Maschine“ das letzte Lied des Abends angekündigt wurde. Die Fans wollten ihn aber nicht so schnell gehen lassen und forderten eine Zugabe, die der Graf ihnen natürlich gerne gab und so folgte das Lied „Freiheit“ und zu guter letzt noch „Mein Stern“. Nach einem Wahnsinnsapplaus verließ der Graf zusammen mit Henning und Licky die Bühne, doch wieder wollten die Fans wollten sich immer noch nicht zu Frieden geben und forderten wieder nach einer Zugabe. Ihnen gelang es tatsächlich, die Musiker noch einmal für zwei weitere Songs auf die Bühne zu holen und so spielten sie dann noch „Spiegelbild“ und „Leise rieselt der Schnee“. Inzwischen ist es halb zwei geworden (obwohl der Auftritt von Unheilig bereits um halb eins zu Ende sein sollte). Der Graf ging nun erstmal duschen, versprach aber, zur Aftershowparty wieder zu kommen.
Da wir auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren, verließen wir auch recht bald die Halle und machten uns auf den Weg zum Bahnhof, in Vorfreude auf die Unheilig & Friends Konzerte 2009.

Setlist von Unheilig

- Puppenspieler
- Hexenjagd
- Atronaut
- Feuerengel
- Schlaflos (das Lied, das bei der Abstimmung Platz 2 machte)
- Kling Glöcken
- Süßer die Glocken nie klingen
- Auf zum Mond
- Dein Anblick
- Glaub an mich
- An deiner Seite
- Fang mich auf
- Spielzeugmann
- Schutzengel
- Herz aus Eis
- Fieber
- Sage Ja
- Maschiene
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- Freiheit
- Mein Stern
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- Spiegelbild
- Leise rieselt der Schnee

Festivalfotos

 

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