Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Anne Mühlbauer  |  Kategorie: Konzertberichte  |  

Ungefähr sieben Jahre ist es her, dass ich mein erstes Album von Haggard gekauft habe – damals mehr durch Zufall, da mir der Bandname nichts sagte und mich aber das Cover der CD neugierig gemacht hatte. Awaking The Gods, der Live-Mitschnitt eines Auftritts in Mexiko, der damals gerade erschienen war. Gehört habe ich die Scheibe dann zum ersten Mal im Dunkeln, auf dem Bett liegend, und ich kann mich noch gut an die Gänsehaut erinnern, die mir Songs wie „Prophecy Fulfilled“, „In A Pale Moon’s Shadow“ oder „Final Victory“ bereiteten.
Heute Abend sollte es denn soweit sein, dass ich Haggard zum ersten Mal live erleben durfte.

The Flaw

Los ging es zwar nicht ganz pünktlich, dafür gab sich die Vorband denn jedoch alle Mühe, dem Publikum mit ihrem Gothic Metal einzuheizen: Mit The Flaw werden Haggard bei ihrer Tour von einem vielversprechenden jungen Quartett aus dem Ruhrpott supportet. Gegründet im Jahr 2003, hat die Dortmunder Band um Frontfrau Alexandra Leu nun kürzlich mit „Burning Skies“ ihre erste EP veröffentlicht.
Die weiteren Bandmitglieder sind Massimo Sarti (Bass), Gitarrist Lars Schlüter sowie Janis Bakine an den Drums.

Webseite: theflaw.de
Das Publikum taute schnell auf, sodass nicht nur Alex auf der Bühne ihre Mähne schüttelte, als man mit Songs wie „The Gift“ oder „On a Windowshelf“ loslegte.
Bemerkenswert fand ich, dass allein schon die Vorband eine satte Stunde Spielzeit zur Verfügung hatte, was man ja sonst eher selten erlebt.

Setlist von The Flaw

  1. Intro
  2. The Gift
  3. Strange Land
  4. Seven Hours
  5. On a Windowshelf
  6. Fragile
  7. All the World’s Darkness
  8. Revelation
  9. The Tempest
  10. The Journey
  11. The Vagabond
  12. Burning Skies
  13. Mute
  14. Blunt
  15. Saltwater

Haggard

Während der nun folgenden Umbauphase, in der immer mehr Instrumente auf die Bühne gebracht wurden, fragte ich mich, wie in aller Welt wohl noch die ganzen Musiker von Haggard dazupassen sollten. Immerhin trägt man den Titel „Deutschlands größte Metalband“ nicht zu Unrecht: nicht weniger als dreizehn Musiker sollten schließlich die Bühne betreten (Sopranistin Veronika musste leider aufgrund einer Erkältung pausieren).
Gegen Viertel nach neun war es denn schließlich soweit: die Bühne verdunkelte sich, die an den Notenständern angebrachten Kerzen sorgten für eine angemessene Beleuchtung, und nach und nach nahmen sämtliche Musiker zu den Klängen des Ithiria-Intros ihren Platz ein.
Nach dem Intro spielte man zunächst mit „Tales Of Ithiria“ dasjenige Stück, welches den Namen des aktuellen Albums trägt und dreisprachig – auf Latein, Englisch und Deutsch – von der Aufforderung eines erblindeten Kriegers an seinen Sohn erzählt, in den Kampf gegen das Böse zu ziehen. Anmutiger Soprangesang wechselt hier mit der haggard-typischen metallischen Härte von Asis Nasseris Gegrowle, was von den Fans beides begeistert aufgenommen wurde.
Mit „Per Aspera Ad Astra“ gab es als nächstes einen Song von der zuletzt veröffentlichten Scheibe Eppur Si Muove zu hören, und einen weiteren Schritt in die Bandgeschichte unternahm man anschließend mit „In A Fullmoon Procession“, das bereits im Jahr 2000 erschien. Schnell war klar, dass Haggard ihr Publikum mit ihrem charakteristisch-wuchtigen Klang voller Erhabenheit restlos in ihren Bann gerissen hatten.
Sopranistin Su bewies, dass auch ausgebildete Opernsängerinnen durchaus zu metaltypischen Verhaltensweisen wie Headbangen in der Lage sind, und hatte während des Auftritts eindeutig Spaß.
Auch im weiteren Verlauf des Abends wechselten sich Songs der verschiedenen Alben ab: „The Observer“ entstammt der Eppur Si Mouve, während das darauffolgende „The Day As Heaven Wept“ als Opener der einige Jahre zuvor erschienen And Thou Shalt Trust… The Seer fungierte. „The Sleeping Child“ wiederum erzählt die Ithiria-Geschichte weiter und greift hierbei als Refrain die Sequenz Mors stupebit et natura / Cum resurget creatura aus den Dies Irae auf.
Dass Mastermind Asis ein Perfektionist ist, macht sich schon an den langen Kompositionszeiten bemerkbar, ehe ein neues Haggard-Opus in den Plattenregalen zu haben ist. Doch nicht nur im Studio muss alles bis ins Detail stimmen – auch live. So justierte Asis nach nahezu jedem Song die Abmischung der einzelnen Instrumente aufs Neue und forderte der Tontechnik damit Einiges ab – das Ergebnis lässt sich denn auch eindeutig als gelungen bezeichnen.
Weiter ging es mit der auf italienisch gesungenen altschwedischen Ballade „Herr Mannelig“, bei der Su die Fans einmal mehr mit ihrer großartigen Stimme faszinierte. „La Terra Santa“ entstammt wiederum der Ithiria-Scheibe, danach folgte eine Exkursion zur Awaking The Centuries: zunächst „Heavenly Damnation“, und dann forderte Asis das Publikum auf, ihm lauthals den Titel des darauffolgenden Stückes zu nennen. Die kölsche Definition von „laut“ war Herrn Nasseri denn allerdings nicht laut genug, was ihn zu dem Hinweis veranlasste, dass in München ja derzeit das Oktoberfest stattfände und zehn Münchnerinnen ja wohl lauter schreien könnten als die versammelte Mannschaft des Kölner Publikums. Das ließ man natürlich nicht so auf sich sitzen, sodass es dann um Einiges lauter aus unzähligen Kehlen erscholl: „The Final Victory!“
„Upon Fallen Autumn Leaves“ sollte der für heute letzte Titel des Ithiria-Albums werden, gefolgt von dem imposanten „Prophecy Fulfilled“. Als Asis mit „Eppur Si Muove“ ankündigte, nun das letzte Stück anzustimmen, zeigte sich das Publikum nicht gerade erfreut und gab noch einmal alles. Dass auf einen mit derart viel Begeisterung aufgenommen Auftritt eine Zugabe folgen musste, war natürlich klar. So stellte man sich der logistischen Herausforderungen, erst sämtliche dreizehn Musiker von der Bühne herunter- und gleich darauf wieder hinauf zu beordern und ließ noch einmal zwei Kracher von der Awaking The Centuries auf die Fans los: zuerst „In A Pale Moon’s Shadow“, und dann ging das Getummel erst richtig los, da man noch die vier Musiker von The Flaw mit auf die Bühne holte und „Awaking The Centuries“ spielte. Nicht nur ein Schmaus für die Ohren, sondern auch etwas für’s Auge – wann bitte sieht man sonst einen headbangenden Violoncellisten?
Asis versäumte es nicht, die Anwesenden wieder und wieder als ein hervorragendes Publikum zu loben und versprach im Namen der ganzen Truppe, bis zum nächsten Album und somit dem nächsten Haggard’schen Besuch in Köln nicht wieder so viel Zeit verstreichen zu lassen – wenn das mal keine erfreulichen Aussichten sind, die über das Ende dieses großartigen Auftrittes hinwegzutrösten vermögen!
Webseite: haggard.de

Setlist von Haggard

  1. Intro
  2. Tales Of Ithiria
  3. Per Aspera Ad Astra
  4. In a Fullmoon Procession
  5. Observer
  6. The Day As Heaven Wept
  7. The Sleeping Child
  8. Herr Mannelig
  9. La Terra Santa
  10. Heavenly Damnation
  11. Final Victory
  12. Upon Fallen Autumn Leaves
  13. Prophecy Fulfilled
  14. Eppur Si Muove
  15. [Zugabe] In a Pale Moon’s Shadow
  16. [Zugabe] Awaking the Centuries

Konzertfotos

 

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