Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Specials  |  

Wer einmal Diary Of Dreams live erleben durfte oder sie auch nur von CD hört – für den dürfte es schwierig sein, sich der Leidenschaft zu entziehen, welche die Musik und die Texte ausstrahlen.

Im Rahmen unseres Diary Of Dreams-Specials möchten wir all jenen, die neugierig sind, was für Menschen das sind, die hinter dieser großartigen Musik stehen, die Gelegenheit geben, mehr zu erfahren über Adrian Hates und die Seinen sowie über ihre Musik selber.

„Tagebuch der Träume“ – dies war der Titel eines Instrumentalstücks, das der damals sechzehnjährige Adrian Hates 1989 nach mehreren Jahren Arbeit schließlich vollendete. In diesem Song fanden alle jene Emotionen Platz, die sein Seelenleben bewegten – Hoffnungen und Träume ebenso wie Trauer und Schmerz.
Zu diesem Zeitpunkt erlernte er bereits seit geraumer Zeit, genauer gesagt seit seinem neunten Lebensjahr, sowohl klassische Gitarre, als auch Klavier und Bass, war als Gitarrist in einigen Schülerbands aktiv und schrieb sich seit mehreren Jahren seine Empfindungen von der Seele – zunächst in ein Tagebuch, später dann in Gedichten und Songtexten. Die wichtigsten Fundamente auf seinem Weg hin zu einem gefeierten Musiker, der seine Gedanken, Geschichten und Emotionen zu einem einzigartig melodischen Geflecht verwebt, waren also gelegt.
„Tagebuch der Träume“ – Adrian befand, dass in diesem Titel ein gewaltiges Potential steckte, viel mehr als für nur einen einzigen Song. Da er sich ohnehin mit dem Gedanken trug, eine Band zu gründen, taufte er diese auf den Namen „Diary Of Dreams“ – die englische Übersetzung klang in seinen Ohren noch besser.

… denn es ist Zeit für eine neue Melodie,
für eine neue Phantasie, für eine neue Harmonie…

[Diary Of Dreams – Traumtänzer]

Das philosophische Konzept hinter den einzelnen Alben sieht das gesamte Schaffenswerk der Band als ein einziges, großes Tagebuch. In ihm werden Gedanken zu Papier gebracht, Erlebnisse festgehalten und verarbeitet. Sowie jede Platte ein eigenes Kapitel darstellt und für einen neuen Lebensabschnitt steht, so zieht sich ein roter Faden durch sämtliche Stücke: der Lebensweg Adrians mit all seinen verschiedenen Straßen und Menschen, denen er begegnet ist.
Allerdings, so merkt Adrian ausdrücklich an, verwendet er in seinen Texten eine große Anzahl an symbolischen Ausdrücken, an Metaphern und sonstigen Verschlüsselungen – ebenso, wie man also nicht eins zu eins von den Songtexten auf Herrn Hates‘ Persönlichkeit schließen kann und darf, bietet dies darüber hinaus jedem Hörer die Möglichkeit, die Texte für sich selber neu zu deuten, für sich selbst etwas darin zu entdecken.

Zunächst einmal galt es jedoch, weitere Musiker zu finden, die eine ähnliche Vorstellung von Musik teilten wie Adrian selber. Dies erwies sich als alles andere als einfach. Zahllose Musiker stießen im Laufe der Zeit hinzu, nur um die Band nach wenigen Wochen wieder zu verlassen. Einzig der Gitarrist Alistair Kane konnte sich ebenso wie Adrian mit dem „Traumtagebuch“ identifizieren.
Als die beiden die ewigen Wechsel in der Besetzung irgendwann satt hatten, beschlossen sie kurzerhand, die ihnen fehlenden Instrumente durch einen Drumcomputer sowie mehrere Synthesizer zu ersetzen.

1990 schließlich entstanden die ersten vier Stücke – die Adrians hohen Ansprüchen an sich selbst und seine Musik allerdings nicht genügten, um sie an eine Plattenfirma einzusenden. Es mussten vier weitere Jahre der Arbeit folgen, ehe 1994 das erste Album von Diary Of Dreams erschien: „Cholymelan“, das von dem Label Dion Fortune Records veröffentlicht wurde.
Vertauscht man die jeweils ersten und letzten beiden Silben des Titels, so weiß man bereits, welche Grundstimmung das überwiegend englischsprachige Album prägt: Melancholy, Melancholie. Stücke wie „False Affection, False Creation“ (das die Herren übrigens auf ihrer aktuellen Live N43-Tour zum Besten gaben), „Phantasmogoria“ oder „Bird without wings“ sorgten sowohl bei den Hörern, als auch in der internationalen Presse für ein durchaus angetanes Echo.

Der Traum als solches bedeutet für Adrian weitaus mehr als nur das nächtliche Erleben einer bisweilen bizarren Geschichte. Vielmehr stellt er für ihn eine Art Refugium dar, in das der Mensch sich zurückziehen kann. Dort kann er jene Harmonie und Geborgenheit wiederfinden, die er einst auf seinem Weg von der Kindheit hin zum Erwachsenen verlor und die er seitdem Zeit seines Lebens – bewusst und unterbewusst – wiederzuerlangen versucht.
Insbesondere in den späteren Werken der Band drückt sich diese Thematik der Suche nach Harmonie stark aus.

 

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