Bericht: Diana Dittrich  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Konzertberichte  |  

Zwanzig vor Acht an der Essigfabrik, aber was ist das? Kaum jemand ist zu sehen, obwohl es in wenigen Minuten beginnen soll. Seltsam, auch drinnen sind für ein Konzert sehr wenig Menschen zu sehen.

Uberbyte

Um Acht beginnt sich auf der Bühne etwas zu Regen. Aber was ist das?! Drei Gestalten betreten die Bühne: Eine Frau mit komischen, angesteckten, lila Extensions und einem merkwürdigem schwarzen Outfit mit weißem Kreuz darauf, dazu zwei Männer in ähnlichem Outfit. Und auch die Begrüssung ist merkwürdig: „Hello, we are from England. I guess we are in Cologne.“ Woran er das nun erkannt hat weiß ich nicht, aber er hat recht, er ist in Köln. Was darauf folgt, ist ein wenig Musik, die man im weitesten Sinne dem Industrial zuordnen kann.
Eine weitere Ansage vom Sänger: „I give you a hint, we are not Combichrist“.
Danke für diese informelle Auskunft, aber darauf wäre ich bestimmt auch selbst gekommen. Selbst wenn man nur die Musik von Combichrist kennt, so weiß man, das sich diese anderes anhört, vom Aussehen der Band mal ganz zu schweigen.
Und auch Stimmung scheint nicht wirklich aufzukommen. Getanzt wurde nur von wenigen und die große Lücken in den Reihen des Publikums komplettieren das Bild.
Der Sänger, der zu Beginn das Publikum immer wieder dazu aufgefordert hat, näher an die Bühne zu treten, gibt dies irgendwann auf, da es sowieso keinen Zweck hat.
Irgendwann ist es (endlich) soweit, der Sänger kündigt das letzte Lied an. Die Verabschiedung „See You soon.“ hätte er sich allerdings sparen können, denn ich hoffe nicht, dass das schon bald der Fall sein wird.

Aesthetic Perfection

Ruhe. Naja, so mehr oder weniger, bis dann, plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung weiter geht mit der zweiten Vorband dieses Abends: Aesthetic Perfection. Diese widerlegen endlich das Vorurteil, dass Vorbands immer gleich schlecht sein müssen. Das, was David Dutton am Synthesizer und Sänger Daniel Graves am Mikrofon leisten, kann sich echt hören lassen. Dies sahen auch die angereisten Fans genauso, denn die Lücken füllen sich allmählich. Die Musik der beiden Musiker ist energetisch, die elektronischen Beats treiben noch mehr Menschen nach vorne in die ersten Reihen und die Halle, die um Acht noch so leer wirkte, ist nun gut gefüllt. Zwar kann man es nicht als überaus voll deklarieren, dafür hat man allerdings noch den nötigen Platz um (halbwegs) ausladend zu tanzen, ohne dabei irgendwen zu belästigen oder zu stören. Aber auch die Musik unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Krach, den die Engländer vorher abgeliefert haben – Die Musik ist wesentlich aggressiver! Und diese Aggressivität bildet nun den perfekten Übergang zu Combichrist und deren Musik.

Combichrist

Die Halle verdunkelt sich ein letztes Mal an diesem Abend und hektisch wird die Bühne umgebaut. Endlich ist es an der Zeit für die Hauptband dieses Abends, endlich ist es Zeit für Combichrist! Doch was ist das? Zu den wie üblich zu hörenden Klängen der Umbaupause mischen sich nach und nach schmähende, englische Kinderlieder, die aber aus irgendeinem, auf den ersten Blick unerfindlichen Grund, Grund die Stimmung im Saal steigen lassen. Plötzlich, mit einem lauten Knall, betreten Andy la Plegua und seine Band die Bühne. Die Stimmung, die sich vorher aufgebaut hat, scheint sich bei den ersten Industrialsounds wie bei einem Gewitter zu entladen.
Für den wie sonst so üblichen Begrüßungsjubel bleibt keine Zeit, denn Andy geht direkt in die Vollen und jagt von einem Ende der Bühne zum anderen. Dabei lässt er sich kaum Zeit zwischen den einzelnen Liedern, sondern zieht sein Programm gnadenlos durch. Es dauert nicht lang, da ist Andys Schminke komplett verschmiert, weil er im ganzen Gesicht verschwitzt ist. Die weiblichen Fans stört das überhaupt nicht, sieht er so doch fast noch ein wenig besser aus 😉
Bei diesen Temperaturen muss Andy wohl ein wenig Angst um sein Publikum haben, denn er bespritzt es immer wieder mit Wasser. Aber die Auswahl der Musik ist auch klasse, da kann man die Leute schon verstehen, die sich da vor der Bühne fast in Ektase tanzen. Nur gegen das Bier hat der charismatische Sänger scheinbar was. Denn er behauptet, dass das wie „Millers“ schmecken würde. Wer dieses Bier schon einmal getrunken hat, weiß, dass es nicht wirklich ein Genuss ist. Man hätte ihm vielleicht kein „Becks Pilsner“ geben sollen, sondern ein anständiges Kölsch, das hätte ihm sicher geschmeckt. 🙂
Die zwei Stunden, in denen Combichrist auf der Bühne stehen, kann man eigentlich in wenigen Worten relativ genau beschreiben: Power, Power und noch mehr Power. Besonders hat mich jedoch der Drummer beeindruckt. So wie dieser die Drums bedient hat ist einfach sagenhaft. Dass er sich bei dem wilden Getrommel nicht selber auf die Finger gehauen hat, erstaunlich.
Irgendwann ist es dann aber leider an der Zeit, seine Sachen zu packen und zu gehen. Schließlich wollen wir am nächsten Tag nach Leipzig fahren. Das diesjährige WGT ruft, wo wir Andy und seine Mannen bestimmt wiedersehen werden.

Konzertfotos

 

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