Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Der letzte Tag des Festivals präsentierte sich zunächst mit einem Wetter wie aus dem Bilderbuch: Sonnenschein, tiefblauer Himmel und Schäfchenwolken. Im Laufe des Nachmittags bedeckte sich der Himmel jedoch zusehends, es wurde windig und somit relativ frisch.

Den Anfang machten pünktlich um 12 Uhr die drei Herren von Solitary Experiments, die die Anwesenden – derer es heue mehr waren als gestern um diese Zeit – mit ihrem harten EBM wachwerden ließen.
Während ihres halbstündigen Auftrittes heizten Solitary Experiments ihren Fans mit „No Surrender“, „Delight“, „Road To Horizon“, „Rise And Fall“, „Pale Candle Light“ und schließlich „Seele bricht“ ein.

Anschließend war es Zeit für einen relativ krassen Stilwechsel – von Synthesizern zu Dudelsäcken: die Mittelaltercombo Schelmish bediente diejenigen Besucher, die es eher traditionell mochten und historische Instrumente dem Elektro vorzogen.
Schelmish sind für ihre derbe, freche Art bekannt, und so sorgen Dextro und die Seinen auch hier für Begeisterung und Lachen während der Ansage: großes Gelächter brach aus, als Dextro zeigte, was ein zünftiger Mittelaltermusiker unterm Rock trägt: einen knallroten Tanga mit einer grinsenden Teufelsfratze aus Plüsch vorne dran.
Mit den darauffolgenden Jungs von Reaper ging es wieder zurück in den elektronischen Bereich. Den langhaarigen Mastermind Vasi Vallis kannte man bereits von Frozen Plasma und NamNamNulu, ehe er vor drei Jahren beschloss, ein weiteres Projekt auf die Beine zu stellen.
„Wer von euch ist über 30?“, erkundigte sich Vasi denn – etliche Arme gingen in die Höhe – „… und wer ist so ehrlich und über 35?“ – und immernoch stand Herr Vallis nicht alleine da. 😉
Seiner Energie tun diese ganzen Projekte und das hohe Alter 😉 jedoch nicht den geringsten Abbruch, sodass man einen Auftritt voller tanzbarer Power bestritt.

Zwanzig Minuten Zeit, vom Tanzen Luft zu holen und an einem der diversen Stände etwas zu trinken zu organisieren, ehe es abermals hieß, eine kleine Zeitreise zu unternehmen: Heimataerde bedienen sich der Thematik der Tempelritter und des Vampirismus, kleiden sich dementsprechend in Kettenhemden und weiße Gewänder (?) mit rotem Tatzenkreuz – und setzen ihre Stücke dann überraschenderweise elektronisch und eindeutig clubtauglich um: also quasi Party während der Inquisition. Wohltuend aus dem Rahmen fallend!
So verwundert es nicht, dass die Show mitsamt passender Bühnendekoration beim Publikum wunderbar ankam.
Assemblage 23, das Soloprojekt von Tom Shear, ist dem geneigten Elektrojünger mit Sicherheit ein Begriff. Dementsprechend fieberten viele der Festivalbesucher diesem Auftritt entgegen, der die einzige Open Air-Show dieses Jahres in Deutschland darstellte.
Zusammen mit zwei weiteren Musikern, die Assemblage 23 beim Live-Auftritt unterstützten, präsentierte Herr Shear seinen Fans Hits wie „Sorry“ oder „Naked“.
Am späteren Nachmittag sollten die Anhänger des harten EBM einmal mehr voll und ganz auf ihre Kosten kommen: mit Spetsnaz betrat eine der energiegeladensten und aggressivsten Formationen dieses Genres die Bühne, die die Härte mit sicherem Gespür mit melodischen Elementen zu einer durchschlagenden Mischung zu verbinden weiß.
Der Platz vor der Bühne war dicht bevölkert von tanzenden und feiernden Fans, viele von ihnen mit Deadpan-Shirt bekleidet, dem Titel der zuletzt erschienen Scheibe.

Ein Heimspiel stellte ihr Auftritt für die Jungs von [:SITD:] dar, die schließlich aus dem Ruhrgebiet stammen und von dort aus die Tanzflächen der Clubs in Deutschland und der ganzen Welt (!) erobert haben.
Anbetrachts des sommerlichen Wetters lag Sänger Carsten mit seiner Wollmütze genau richtig, aber da kann man schließlich nichts machen – Markenkennzeichen sind eben temperaturunabhängig. 😉
Erwartungsgemäß schlug der Act stimmungsmäßig wie eine Bombe ein, und bei Songs wie dem großartigen „Snuff Machinery“ oder „Richtfest“ befand sich nicht nur auf dem Platz vor der Bühne alles in Bewegung. Auch auf den gut gefüllten Treppen des Amphitheaters saß kaum jemand still – kein Wunder!
Nach 50 Minuten Party pur fand man sich schweißgebadet, mit dem ein oder anderen Ohrwurm und vollends glücklich wieder.

Dass die Show von den aus Florida stammenden Crüxshadows eines der Highlights des Blackfield-Festivals werden würde, war eigentlich von vornherein absehbar. Seit Beginn der 90er-Jahre spielt die Formation um Rogue eingängigen Elektrowave, bei dem sich ein Erfolgshit an den nächsten reiht.
Los ging es auf der Bühne zunächst, wie bei den Crüxshadows üblich, ohne den Sänger – Rogue tauchte erst während des Intros mitten aus dem Publikum aus. Dessen Nähe suchte er auch im Verlauf der Show immer wieder, balancierte am vorderen Bühnenrand, sprang in den Fotograben und drehte schließlich händeschüttelnderweise eine Runde quer durch die dicht gedrängt stehenden Fans.
Das großartige „Winterborn“ oder „Deception“ durften in der Setlist ebensowenig fehlen wie „Fovereverlast“, „Sophia“ oder der Klassiker „Marilyn My Bitterness“. Zu erwähnen wäre noch die neue Tänzerin Sarah, die Jessica zum Verwechseln ähnlich sieht und mit ihr zusammen eine sexy Show darbot.

Mit den Jungs und Mädels von Schandmaul ging es wieder zurück zu den deutschsprachigen Musikern und weg vom Elektro, der ja doch den Tag dominiert hatte. Wer oder was Schandmaul sind, muss man wohl anbetrachts der langen Bandgeschichte (zehn Jahre!) und der großen Beliebtheit, derer sie sich hierzulande erfreuen, nicht erklären. 😉
Mit enorm viel Power rissen die „Herren der Winde“ denn das begeisterte Publikum mit sich und spielten sich quer durch ihr Repertoire: „Leb!“, „Dein Anblick“, „Die letzte Tröte“, „Walpurgisnacht“, … so abwechslungsreich gestaltete sich das Programm.
Übrigens konnte Sänger Thomas es sich anbetrachts der vorherigen Bands nicht nehmen, auf das Schlagzeug zu weisen und zu erklären: „Das ist übrigens ein Schlagzeug. Ein Schlagzeug ist keine kleine Kiste mit einem Monitor, nur falls ihr das nach dem heutigen Nachmittag vergessen haben solltet…“ 😉
Den krönenden Abschluss des Tages sowie des ganzen Festivals bildete der Auftritt von Lacrimosa. Gefühlvoll verabschiedete sich das Blackfield so von seinen Gästen.
Anne Nurmi und Tilo Wolff hatten sich Unterstützung von vier Live-Musikern besorgt und reihten ein emotionsgeladenes Stück an das nächste. Auf die Eröffnung durch „Ich bin der brennende Komet“ folgte zunächst „Schakal“, anschließend das hervorragende „Allein zu zweit, der „Kelch der Liebe“, desweiteren unter anderem „Not every pain hurts“, „Alles Lüge“ oder „Lichtgestalt“.

Festivalfotos

Besucherfotos

 

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