Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Noch etwas verschlafen krabbelten wir am Samstagvormittag aus dem Auto und fanden uns in der Gesellschaft diverser nicht weniger müder schwarzgekleideter Gestalten wieder. Ausschlafen stellte jedoch kein Problem dar, öffneten sich die Pforten des Festivalgeländes doch ohnehin erst um 11 Uhr, während der erste Act nochmals eine Stunde später beginnen würde.
Der angebotene Service, mittels Shuttlebussen zum Schwimmbad und seinen Duschmöglichkeiten gebracht zu werden, wurde dankbar in Anspruch genommen.

Pünktlich um 12 Uhr eröffneten die beiden Herren der schwedischen Formation Colony 5 den Tag.
Obwohl die zwei sich wirklich ins Zeug legten und dem Publikum mit ihrem Future Pop einzuheizen versuchten, blieb selbiges leider eher ruhig und reserviert – was vermutlich an der Tatsache gelegen haben mag, dass es noch verhältnismäßig früh war und der erste Act es per se schwerer hat, das Publikum in die Gänge zu bringen.
Als nächstes standen mit Iris zwei Amerikaner auf der Bühne, die eine schwer zu beschreibende Mischung aus Rock, Glitch und Retrosynth spielten – oder dies zumindest vorhatten.
„Electronic is cool, but sometimes tricky“, kommentierte man den Ausfall der Elektronik denn auch mit einem mehrfachen „Sorry!“. Als das Ganze auch nach einigen Minuten noch nicht funktionieren wollte, machte Sänger Reagan Jones aus der Not eine Tugend und gab zwei Songs als Solo zum Besten.
Schlussendlich war es denn aber doch vollbracht, und als die Technik endlich so lief, wie sie sollte, legte man eine gelungene Show hin.
Beim darauffolgenden Act stand jemand auf der Bühne, den man bereits am Vortrag mit seinem anderen Projekt Dreadful Shadows hatte erleben dürfen: Sven Friedrich, hier nun mit seinem dritten Projekt Solar Fake. Zusammen mit einem Keyboarder, der ihn bei Live-Auftritten unterstützt, tobt er sich mit diesem Soloprojekt auf dem elektronischen Sektor aus.
Nebst eigenen Kompositionen brachte man auch ein Cover des Radiohead-Hits „Creep“, das mich – anbetrachts des fulminanten Originals – leider so gar nicht überzeugen konnte.
Nach einer kurzen Pause ging es mit einem weiteren Top-Act weiter: Diorama.
Die Formation um den charismatischen Frontmann Thorben Wendt brachte die Stimmung zum Kochen. Sowohl auf der Bühne selber, als auch davor ging man zu Stücken wie dem Clubhit „Synthesize Me“ oder „Kein Mord“.
Die 40 Minuten des Auftritts waren eindeutig zu kurz, wie die Reaktion der Fans zeigte.
Die Norweger von Northern Lite hatten wir bereits vor einigen Wochen in Köln erleben dürfen und waren daher schon sehr gespannt auf die jetzige Show. Und obwohl es, wie Sänger Andreas Kubat anmerkte und die Sonnenbrille zurechtrückte, ungewohnt war, bei strahlendem Tageslicht aufzutreten, hatten die Fans eindeutig Spaß. Hits wie „Girls with a Gun“ oder „Reach the Sun“ kamen definitiv gut an, wenngleich der Auftritt auf dem Blackfield-Festival meiner Meinung nach dem Clubauftritt in Köln nicht das Wasser reichen konnte, bei dem die Band doch um Einiges mehr abging.
„Wie lange gibt es uns schon? – Zwanzig Jahre?! – Ach du Scheiße!“, so stellte Eric Burton sich und die Seinen von Catastrophe Ballet vor. Dabei dürfen die vier Herren in ihrer Bandgeschichte auf ein wahres Sammelsurium der verschiedensten Stilrichtungen zurückblicken, mit denen sie im Laufe der Jahre schon herumexperimentiert haben, um sie schließlich in ihren unverwechselbaren Stil miteinfließen zu lassen.
Elegant in dunkelrote Hemden zu schwarzen Hosen gekleidet, beschallte man das Publikum so mit teils eher rockigen, teils eher elektronischen Klängen.
Das S.P.O.C.K.-Cover von „Space Monkey“, das man mit Elementen des Beethoven’schen „Freude, schöner Götterfunken“ mischte, zählte ebenso wie der gastauftritt von Oswald Henke (Goethes Erben) zu den Höhepunkten des Auftritts.
Die nun folgenden Umbauten, im Zuge derer eine große, sperrige Box auf der Bühne platziert wurde, machten auch ohne die entsprechende Ankündigung im Programmheft klar, wer als nächstes auftreten würde: Ronan Harris mit seinem Soloprojekt Modcom.
Ganz im Stil der 70er werden die Sounds und Sequenzen hierbei vom Master hisself live generiert, modifiziert, manipuliert und gemischt – und die Begeisterung und Spielfreude stand Ron dabei deutlich ins Gesicht geschrieben.
Auf den Auftritt Alex Kaschtes hatten viele Fans den ganzen Tag lang gewartet und ungeachtet der Hitze auf dem ergatterten Platz in der ersten Reihe ausgeharrt, um während der Show von Samsas Traum vorne dabei zu sein.
Als der polarisierende Sänger und Mastermind schließlich die Bühne betrat und zusammen mit den Seinen einen wahren Black Metal-Sturm auf das Publikum losließ, war dies für zahlreiche Fans denn auch der Anlass, ausgiebig die Köpfe zu schütteln.
Gespielt wurden ausschließlich Stücke des aktuellen Albums „Heiliges Herz – Das Schwert Deiner Sonne“, nichts jedoch vom zeitgleich erschienen Akustikalbum „Wenn schwarzer Regen“ oder von älteren Stücken, was viele im Publikum (wie auch ich!) bedauert haben dürften.
Leider ließ auch die Tontechnik in Sachen Abmischen Einiges zu wünschen übrig.
Mittlerweile war es etwa halb neun, und eine wohltuende Kühle löste die Hitze des Tages allmählich ab.
Wie bereits Andreas von Northern Lite vor ihm, ließ sich auch der Subway To Sally’sche Eric Fish eine Bemerkung bezüglich des Tageslichts nicht nehmen und lud die dicht gedrängt vor der Bühne stehenden Fans dazu ein, die Sonne schon durch die Musik wegzuspielen: mit „Eisblumen“, das durchaus das Potential zu einer Hymne der schwarzen Szene hat, eröffnete man die Show:
„wir sind wie Eisblumen / wir blühen in der Nacht / …“
Kaum dass die Sallys mit einem Song fertig waren und kurz Luft holten für den nächsten, wurden im Publikum die für einen Auftritt dieser Band schon traditionell zu nennenden „Blut, Blut, Räuber saufen Blut…“-Chöre laut. Bis dass dieses ultimative Stück denn auch seitens der Musiker angestimmt wurde, sollte es noch ein Weilchen dauern. Unterdessen jagte ein Kracher den nächsten: Kleid aus Rosen, Falscher Heiland, Ohne Liebe, Henkersbraut, (wenn ich tanzte), …
Besonderen Jubel ernteten Herr Fish und eine Dame aus dem Publikum, als er ebendiese während „Kleid aus Rosen“ auf die Bühne bat und zu einem Tanz aufforderte.
Auch „Auf Kiel“, mit dem die Formation kürzlich den ersten Platz des Bundesvision Song Contest absahnte, durfte natürlich nicht in der Setlist fehlen und wurde, wie alle Stücke, durchgehend von den Fans mitgesungen.
Viele Pyroeffekte untermalten die Show auf eindrucksvolle Art und Weise (und ließen sie für die vorderen Reihen zu einem wirklich heißen Erlebnis werden 😉 ).
Zum Ende des Auftritts hin erkundigte sich Herr Fish denn beim Publikum, ob es denn zählen könne. Eins, zwei, drei, … sieben Leute standen auf der Bühne, und so spielte man „7“ – um im Anschluss daran den immer wieder einsetzenden „Blut, Blut…“-Chören endlich Tribut zu zollen und sich nach einer wilden „Julia und die Räuber“-Einlage zu verabschieden.
Danach fing es leider an zu regnen, was die Nitzer Ebb-Fans jedoch nicht weiter störte, zumal das Sonnensegel über der Bühne und deren Vorplatz auch einen gewissen Schutz vor dem Nass bot. Zumeist in bläuliches Scheinwerferlicht getaucht, verwandelte sich dieser Platz in eine Tanzfläche par excellence. Kein Wunder bei Hits wie „Let Your Body Learn“, „Hit You Back“ oder „Join in the Chant“.

Festivalfotos

 

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