06
Aug
2011
Bericht: Simon Hönscheid  |  Fotos: Simon Hönscheid/Matthias Irrgang  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Am 16. und 17.07. 2011 fand in Köln das siebte Amphi Festival im Tanzbrunnen direkt am Rhein statt. Seit dem zweiten Amphi Festival ist das Amphi vom Gelsenkirchener Amphitheater von dem es seinen Namen hat, nach Köln in den Tanzbrunnen gezogen und hat seitdem einen festen Platz im Terminplan vieler Gothics von nah und fern und natürlich auch in unserem. Das Line-Up war hochkarätig und so zog es 16.000 Besucher zum siebten, alles anderen als „verflixten“ Amphi Festival.

Samstag 16.07.2011

Am Samstag trafen wir gegen 11.30 am Tanzbrunnen ein und hatten so ein wenig Luft noch etwas über das Gelände zu laufen, bei ein paar Händlern zu schmökern oder einige Bekannte und Freunde zu begrüßen.

Um 12 betraten mit XR-X die erste Band des Festivals die Hauptbühne und war ein würdiger Opener. Für die Kölner war es ein Heimspiel und trotz der frühen Stunde heizten sie der doch ganz ansehnlichen Menge vor der Hauptbühne mit einer Songauswahl aus ihren 3 Studioalben ein.

Setlist:

  1. The Update
  2. Push It
  3. Tanz Schlampe
  4. Virus Infect
  5. Unveröffentlichtes Lied
  6. The Doll Underground
  7. Stage 2

Im Anschluss zog es uns ins Theater des Tanzbrunnens, wo Annie Bertram ihr neues Buch ‚Obsolete Angels‘ vorstellte, welches wie gewohnt fantastische Geschichten verschiedener Autoren mit wunderbaren Fotografien von Annie verbindet. Auf der Bühne war ein Lesepult aufgebaut und im Hintergrund lief eine Diashow mit den zur Geschichte passenden Bilderserie. So wurde der Zuhörer von Seraphine Strange, Isa Theobald, Markus Heitz und Christian von Aster in Welten voller Wunder, Mythen und Fantasie entführt und das Auge von den Annie Betrams Bildern verzaubert.
Einige der Werke konnte man in der Gallerie des Staatenhauses auf Leinwand gerdruckt bewundern. Obwohl dies nicht der richtige Rahmen für die Bilder war, beeindruckten diese uns sehr.

Direkt im Anschluss fand im Theater der Vortrag „C64 – Pornographic Art“ von und mit Honey von Welle Erdball statt. Weil wie sollte es auch anders sein, wenn sich einer mit schlüpfrigen Spielen und Demos für den C64 auskennt dann er. Das Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt, wie nicht anders zu erwarten wenn ein Vortrag ab 18 Jahren freigegeben ist. Am Anfang nahm Honey die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Computergeschichte und die Geschichte des C64 im besonderen um die begrenzten Möglichkeiten des Systems im Vergleich zu heutigen Rechnern zu verdeutlichen.
Daraufhin führte Honey die verschiedenen Evolutionsstufen des erotischen und pornografischen Spiels auf dem C64 vor, wobei er mit viel Humor und Annekdoten das Publikum für dieses Thema zu begeistern wusste. Ein Gewinnspiel am Ende rundete diesen Vortrag ab.

Samsas Traum hatten dieses Jahr die Ehre auf der Mainstage aufzutereten. Es gibt wohl kaum eine Band die glühende Verehrer und Verachter gleichermaßen in der Szene hat. Alexander Kaschte bot eine Art „Best Of“ seines langjährigen Schaffens. Während des Konzertes würden T-Shirts und CDs an die Fans verteilt. Alex ließ es sich trotzdem nicht nehmen mehrfach darauf hinzuweisen, dass das Amphi Festival kein geeigneter Rahmen für Samsas Traum sei. Dies hinterließ einen etwas faden Beigeschmack, auch wenn die Show im Endeffekt zu überzeugen vermochte. Aber so ist Samsas Traum nun mal, Alex gibt es nur mit einer gehörigen Portion Egoismus und Selbstironie.

Tracklist:

  1. Ein Name im Kristall
  2. Fick Mich Noch Fester
  3. Für Immer
  4. Stromausfall im Herzspital
  5. Endstation Eden
  6. Heiliges Herz
  7. All die toten Spiegel (Neuer Song)

Nun begaben wir uns ins Staatenhaus um uns In Strict Confidence anzuschauen. Mit etwas Verspätung aufgrund zickiger Technik ging es dann schließlich los. Nachdem beim Opener die Drums versagten und ab dem zweiten Song alles reibungslos lief, gab es für Band und Fans kein Halten mehr: Das Publikum sparte nicht mit Applaus und auch die Band hatte trotz anfänglicher Probleme sichtlich Spass.

Tracklist:

  1. My Despair
  2. Promised Land
  3. Seven Lives
  4. Forbidden Fruit
  5. Set Me Free
  6. Silver Bullets
  7. Zauberschloss

Obwohl der Wettergott den Besuchern alles andere als zugetan war, genauer gesagt schüttete es ziemlich, sammelten sich immer mehr Zuschauer vor der Bühne um den Auftritt von „Die Krupps“ zu sehen. Es ist alles andere als vermessen diese als lebende Legende zu bezeichnen, kaum eine andere Gruppe hat die Elektro- und Industrialszene so maßgeblich beeinflusst wie die Krupps. Der Auftritt begann ehr ruhig und steigerte sich zunehmend. Spätestens ab „Als Wären Wir Für Immer“, mit dem sich die Band selber ein Denkmal setzte und auf den gleichnamigen Album das Erste neue Material seit Ende der 90er veröffentlichte, gab es für das Publikum kein Halten mehr und die Band genoss den Zuspruch des selbigen, welches Sie gegen Ende mit Jubel und Applaus entließ.

Tracklist:

  1. Hi-Tech Low-Life
  2. Isolation
  3. Crossfire
  4. Als Wären Wir Für Immer
  5. Beyond
  6. Der Amboss
  7. Great Divide
  8. Germaniac
  9. The Dawning Of Doom
  10. Metal Machine Music
  11. To The Hilt
  12. Fatherland
  13. Wahre Arbeit Wahrer Lohn
  14. Bloodsuckers

Headliner waren am Samstag Abend Deine Lakaien. Die Avantgardisten zogen trotz des starken Regens jede Menge Fans vor die Bühne denn Ernst Horn und Alexander Veljanov zaubern mit ihren Liedern eine ganz besondere Atmosphäre und machen den Auftritt so zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art. In den 90 Minuten des Auftritts spielen Deine Lakaien einen Querschnitt durch die 25 Jahre ihres gemeinsamen Schaffens und entlassen ein durchnässtes und begeistertes Publikum in die Nacht oder ins Staatenhaus zum dortigen Headliner Hocico. Wir machten uns auf den Weg nach Hause um fit für den kommenden Tag zu sein.

Tracklist:

  1. On Your Stage Again
  2. Into My Arms
  3. Over And Done
  4. Where You Are
  5. Gone
  6. Europe
  7. Forest
  8. One Night
  9. Blue Heart
  10. Return
  11. Colour-Ize
  12. Fighting The Green
  13. Reincarnation
  14. Love Me to the End

Sonntag 17.07.2011

Als wir am Sonntag um kurz nach 12 das Festivalgelände betraten, waren wir gespannt was der Tag bringen würde, nicht nur musikalisch sondern auch wettermäßig. Gegen kurz vor Eins stand dann ein für uns musikalischer Neuling auf der Bühne: Die Funkhausgruppe. Dieses Musikprojekt besteht aus den vier Bands Welle:Erdball, Hertzinfarkt, Sonnenbrandt und Die Perlen. Musikalisch ist viel NDW, Minimal und Gitarrensound zu finden. Die Band spielte Lieder aus dem Mono-Poly betitelten Debütalbum und jede der beteiligten Bands stellte einen eigenen Titel vor. Von der Funkhausgruppe werden wir hoffentlich noch wesentlich mehr hören.

Tracklist:

  1. Wir trauen uns was
  2. Monopoly
  3. Stadtflucht
  4. Der Computer Nr. 3
  5. Radio
  6. Die Physiker
  7. Geiz
  8. Space Odyssee
  9. Der Sommer ist da
  10. VW Käfer
  11. Tanzpalast

Bald lockte uns das Staatenhaus mit Diorama in sein Inneres. Wir waren bei Weitem nicht die Einzigsten die zu dem Entschluss kamen, dass Diorama immer eine gute Show liefern und so wurden wir auch diesmal nicht enttäuscht. Diorama kombinieren gefühlvolle Texte mit treibenden und eingängigen Beats und Frontmann Torben Wendt hat auf der Bühne eine derartige Präsenz das man mitgerissen wird und einfach ein grandioses Konzert erlebt. So hat sich die Band über die Jahre eine treue Fangemeinde erspielt.

Tracklist:

  1. Child of Entertainment
  2. Prozac Junkies
  3. Ignite
  4. Home to Millions
  5. Advance
  6. Erase Me
  7. Synthesize Me
  8. The Girls

Im Anschluss zog es uns zum Vortrag von Dr. Mark Benecke, seinezeichens Forensiker. Benecke ließ es sich nicht nehmen erstmal klare Tatsachen zu schaffen: Nein Forensik ist nicht wie in CSI 😉 und erklärte ein wenig wie Forensik funktioniert. Er nannte als Beispiel die Sicherstellung von DNA Spuren. Der Vortrag drehte sich im eigentlichen Sinne um die Begutachtung von Hitlers Schädel im Archiv des Kremel in Moskau. Er zeigte die Vorgehensweise des anwesenden Teams und den aus den Indizien gezogenen Schlussfolgerungen auf. Mit viel Witz und Beispielen aus dem Alltag wurde so Alles für den Zuhörer gut verständlich.

Man mag über Agonoize sagen was man will, viele bemängeln die Band sei mehr Schein als Sein und ein Inbegriff dessen was in der Szene im Argen liege: Oberflächlichkeit statt Inhalt. Dieser Ansicht schien die vor der Hauptbühne versammelte Menge nicht zu sein, denn es war wirklich gut gefüllt. Vor dem Konzert lief ein doch zugegenbenermaßen ziemlich nerviges Jingle auf Repeat. Als das Jingle dann vorbei war, betrat Alexx von Eisbrecher die Bühne und bat dadrum Kindern Augen und Ohren zuzuhaltenn. Kurz dadrauf betraten Agonoize nach dem Imperial March die Bühne, Chris schwebte in der Zwangsjacke von der Decke und die Show konnte beginnen. Agonoize spielten unter anderem Staatsfeind, Angel of Death sowie einige neuere Tracks. Nach groß inszenierten Suizid von Chris, wird dieser von Mark Benecke für Tod erklärt und von der Bühne geschleift.

Saltio Mortis waren nach Agonoize ein absolutes Kontrastprogramm und der Platz vor der Bühne leerte sich zusehens und so würde Platz für die treue Fangemeinde von Saltatio Mortis geschaffen, die den frei gewordenen Platz zügig füllte. SAMO haben auf der Bühne eine unglaubliche Energie und reissen die Fans schnell mit. Jeder singt und tanzt und genießt den Auftritt.

Tracklist:

  1. Rastlos
  2. Tritt ein
  3. Tod und Teufel
  4. Wirf den ersten Stein
  5. Uns gehört die Welt
  6. Eulenspiegel
  7. Wir säen den Wind
  8. Koma
  9. Prometheus
  10. Manus Manum Lavat
  11. Falsche Freunde
  12. Spielmannsschwur

Kontrastreich geht es weiter mit Nitzer Ebb, kompromissloser Elektro aus England. Nitzer Ebb haben eine sehr treue Fangemeinde und die ließen es sich nicht nehmen die drei Mannen gebührend zu feiern. Bald ist das Publikum eine einzige tobende Menge. Nach Godhead geben Nitzer Ebb noch drei Zugaben, wobei sie bei „Machineries Of Joy“ tatkräftig von den Krupps unterstützt werden. Danach verließen Sie die Bühne und die Fans das Schlachtfeld.

Tracklist:

  1. Getting Closer
  2. Down on Your Knees
  3. Shame
  4. Hearts and Minds
  5. Let Your Body Learn
  6. Once You Say
  7. Lightning Man
  8. Hit You Back
  9. Payroll
  10. Godhead
  11. —————

  12. Murderous
  13. Control I‘m Here
  14. Machineries Of Joy

Den krönenden Abschluss des Festivals war der Auftritt von Covenant. Die drei Schweden hatten dieses Jahr ihr aktuelles Album „Modern Ruin“ im Gepäck. Etwas verwundert waren wir das nicht Joakim an den Keys stand sondern ein uns unbekannter Musiker. Joakim nimmt momentan eine Auszeit und wirkt derzeit nur im Studio mit. Covenant spielten eine „Best-Of-Show “ und Eskil gelang es schnell mit seiner charismatischen Art und energetischen Show das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Ohne große Mühen hängte die Band Stück an Stück, um letztendlich nach zwei Zugaben die Halle zu verlassen. Passend zum Abschied gab uns Eskil mit auf den Weg: „Dead Stars still burn…“

Tracklist:

  1. Modern Ruin
  2. Stalker
  3. Bullet
  4. Judge of My Domain
  5. 20 Hz
  6. Tour de Force
  7. Kairos
  8. The Beauty and the Grace
  9. The Men
  10. We Stand Alone
  11. Ritual Noise
  12. Like Tears in the Rain
  13. Lightbringer
  14. Call the Ships to Port
  15. —————-

  16. Happy Man
  17. Dead Stars

Und so wie sterbende Sterne nie verlöschen wird es uns auch nächstes Jahr wieder zum Amphi Festival ziehen. Warum? Weil das Amphi ein sehr ausgewogenes Line-Up bietet und sich Mühe gibt eine Plattform für alle Facetten der Schwarzen Szene zu stellen. Wir würden uns wünschen auch nächstes Jahr wieder ein Angebot an szenenahen Musikern, Autoren und Künstlern. vorzufinden.
Leider gab es auch einen Punkt der uns negativ ins Auge gestochen ist: An den Merchandising-Ständen des Amphi wurde dieses Jahr auch Band-Merchandise der auftretenden Bands verkauft, darunter auch T-Shirts von Nachtmahr mit der Aufschrift: „Weltmacht oder Niedergang“. Bei aller Liebe und Toleranz, das muss echt nicht sein. Da dies der einzigste Kritikpunkt ist, bleibt ansonsten nur zu sagen: Das Amphi Festival wird von Jahr zu Jahr besser. Wir freuen uns und sind gespannt was sich die Veranstalter für nächstes Jahr einfallen lassen.

Bandfotos

Besucherbilder

 

ähnliche Artikel