Bericht: Diana Dittrich  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Bevor Mono Inc. zu so früher Stunde spielen durften, betrat erst einmal Honey die Bühne um zu verkünden, dass am vorherigen Tag lediglich ein Stück Putz von der Decke gekommen ist, wodurch aber keine verletzt worden ist. Die bereits am Vortag geschlossene Halle würde auch heute ihre Pforten nicht öffnen. Stattdessen würden die Konzerte, die dafür vorgesehen wären, im Theater stattfinden. Die Filmvorführungen wurden somit kurzer Hand abgesagt, was zwar ein wenig schade war, aber immerhin besser, als wenn die Hälfte der Bands nicht hätten spielen dürfen.

Mono Inc.

Trotz der relativ frühen Stunde und der undankbaren Aufgabe des Openers, schlugen Mono Inc. sich recht wacker. Schon zu Beginn konnte man am Rande des Publikums schon einige Menschen sehen, die zum Takt der Musik tanzten und spätestens zum Schlusslied „Get some Sleep“ dürften alle Fans wachgewesen sein.
Aber nicht nur mitgetanzt wurde. Es wurde auch lauthals mitgesungen. Als Sänger Martin bemerkte, dass sein Publikum doch relativ Text-unsicher ist (was vielleicht an der Müdigkeit gelegen haben mag), spricht er ihnen einfach den Text vor und die Fans können ihn nachsingen. Alles in Allem also eine relativ gelungene Show, vielleicht werden sie nächstes Mal ein wenig höher im Line-Up angesetzt.

Panzer AG

Mit Panzer AG betrat jemand die Bühne, den man bereits am Vortag mit einem seiner Projekte bewundern konnte: Andy LaPlegua. Schlug er am Samstag mit Scandy noch vergleichsweise sanftere Töne an, sollte es am Sonntag mit Panzer AG um einiges härter zur Sache gehen.
Wie man es von Andy kennt, ließ er es sich auch diesmal nicht nehmen, wie wild auf der Bühne hin und her zu springen und dabei die (vor allem weiblichen) Fans anzusingen. Diesen gefiel es. Es wurde ausgelassen getanzt und mitgesungen. Zum Glück wurden auch ein paar ruhigerere Songs gespielt, sodass das Publikum nicht gänzlich überhitzte 🙂

The Other

Derweil sorgten The Other im Theater für gute Stimmung. Die vier Horror-Punks aus Nordrhein-Westfalen spielten neben Songs von ihrer aktuellen Platte „The Place to Bleed“ auch ältere Songs, wie „Tarantula“ oder „666 Ways to Die“.
Den Fans gefiel es. In den Reihen des Publikums wurde getanzt und mitgesungen und was auf keinen Fall fehlen durfte, war der Pogo. Und so bewiesen die vier Jungs, dass man auch durchaus Horrorpunk auf einem doch eher Elektro-lastigen Festival spielen kann.

Delain

Nach dem härteren Beat von Panzer AG betraten Delain mit etwas sanfteren Tönen die Mainstage. Naja, zumindest soweit sanft, wie man eine Symphonic-Metal-Band eben sanft nennen kann 🙂
Leider wurde es zu Beginn ein wenig leerer in den Reihen der Fans. Was die niederländische Band nicht wirklich zu stören schien, denn sie fackelte nicht lange und legte sich sofort richtig ins Zeug. Trotz des großzügigeren „Platzangebotes“ konnte die schöne Sängerin Charlotte Wessels mit ihrer klaren Stimme vollends überzeugen. Diese standen in einem guten Kontrast zu den Grunts von Gitarrist Ronald Landa.
Im Gepäck hatten sie vor allem Bekannteres, wie „Stay forever“, „The Gathering“, oder „Go Away“.

Jesus on Extasy

Der Auftritt von Jesus on Extasy schien an diesem Wochenende unter keinem sehr guten Stern zu stehen. Zumindest kam einem das Gefühl, als man gespannt vor der Bühne wartete und die Tontechniker mit besorgten Gesichtern über die Bühne liefen. Leider gab es auch während der ersten paar Lieder Probleme mit dem Sound.
Das Publikum, vielleicht durch die technischen Probleme ein wenig genervt, konnte zuerst auch nicht wirklich zur Stimmung beitragen. Erst nach und nach kam ein wenig davon auf. Als Gitarrist Chai zwischendurch einmal prüfend zur Decke schaute und meinte „Das Dach hält noch!“ lockerte die Stimmung ein wenig auf.
In ihrer Playliste durften Songs wie „Nuclear Bitch“, „Assassinate Me“ und „Direct Injection“ natürlich nicht fehlen. Nach 50 minütiger Spielzeit verließen Dorian, Chai und Konsorten letztendlich die Bühne mit sehr gemischten Mienen. Ein relativ großer Auftritt vor großem Publikum, aber die Stimmung machte da leicht einen Strich durch die Rechnung.

Diorama

Als sich gegen kurz vor drei dicke Unwetter-Wolken auf den Weg machten, das Festivalgelände heimzusuchen, ließen die Fans von Diorama sich nicht davon abhalten, zahlreich unter den Pilzen vor der Mainstage zu erscheinen. Diorama fackelte erst gar nicht lange und legte mit „Kein Mord“ direkt voll los. Ihre Power schienen die Wolken doch zu überzeugen, umzudrehen, sodass das Publikum weitest gehend trocken blieb. Gespielt wurden neben einer Menge alter Lieder auch zwei neue Songs, die recht vielversprechend klangen. Leider ging der Auftritt viel zu schnell zu Ende und die Fans bemühten sich vergeblich, ihre Idole mit lauten Zugaberufen wieder auf die Bühne zu bekommen. Aber wollen wir nachsichtig sein, auf Festivals ist so etwas immer sehr schwer, wegen dem straffen Zeitmanagement.

Saltatio Mortis

Um kurz nach Vier betraten einer meiner persönlichen Highlights die Bühne: Saltatio Mortis. Eine der wenigen Bands auf diesem Festivals, die in das Mittelalter-Genre passen. Leider merkte man am Publikum, dass die Fans für diese Bands nicht ganz so da waren, wie sie es sich gewünscht haben. Während die ersten Reihen feierten, war die Neonfraktion in den hinteren Reihen wenig begeistert von Alea und seinen Mannen. Nichts desto trotz gab die Band auf der Bühne alles, um zumindest ihre Fans in den ersten Reihen zu begeistern.
Während ihres Konzertes machten sie immer wieder Werbung für ihr neues Album „Wer Wind Sæt“, das am 28. August erscheinen wird.

Hocico

Nach einer knappen Stunde mussten Saltatio Mortis die Bühne frei machen für Hocico, die nicht nur was für auf die Ohren im Gepäck hatten, sondern auch für die Augen. Fünf mexikanische Ureinwohner tanzten traditionell und mit Federn geschmückt auf der Bühne herum, bevor sie von Erk und Rasco, den beiden Musikern von Hocico aufgemischt wurden. Man muss schon sagen, dass dies eine merkwürdige Mischung aus traditionellem Tanz und moderner Musik darstellte. Die Fans schien es aber weniger zu stören und zückten zahlreich ihre Kameras, um dieses Schauspiel aufzunehmen. Aber auch im Publikum wurde getanzt, da zwar nicht so traditionell, aber ausdauernd auf alle Fälle.

Unheilig

Schon allein das Gedränge, das man vor dem Auftritt bei der Mainstage beobachten konnte, wies darauf hin, dass bald wer ganz Großes die Bühne betreten wird. Und so kam es dann auch kurze Zeit später, als der Graf mit seinen Mannen auf die Bühne stürmte. Schon bei den ersten Klängen des Intros klatschen die Fans begeistert und sangen jede Silbe mit.
In der Playliste durften natürlich Songs wie „Astronaut“, „An deiner Seite“ und „Sage Ja“ nicht fehlen. Abgerundet wurde der Auftritt des Grafens dann mit „Mein Stern“, bevor er und die Band die Bühne verließen.
Ein wenig später, bei der Autogrammstunde von Unheilig, wollte ich meinen Augen nicht so recht trauen: Die Schlange, die ein Autogramm haben wollte war so lang, dass es über zwei Stunden dauerte, bis der letzte ein Autogramm bekommen hatte.

Front 242

Die letzte Band auf der Mainstage war Front 242, die Honey als „Wahre Saurier der Szene“ ankündigte. Die Fans begrüßten sie mit lauten „Zwei-Vier-Zwei“-Rufen. Aber die Fans begrüßten ihre Idole nicht nur so frenetisch, nein, sie behielten die Stimmung während des gesamten Auftritts bei, so dass auch nicht-Fans davon angesteckt wurden und die Stimmung einfach nur kochte. Ein wahrlich gelungener Auftritt!
Zur Playliste gehörten unter anderem „Welcome to Paradise“, „No Shuffle“ und „Quite Unusual“. Als sie nach gut einer Stunde voll guter Laune und Musik die Bühne verließen dauerte es nicht lange, bis die Band dank der lauten 242-Rufen wieder auf der Bühne erschienen um sich dort von ihren Fans feiern zu lassen.

The Gathering

Nachdem die letzten Töne von Front 242 verklungen waren, hieß es schnell ins Theater gehen, um dort The Gathering zu hören, die dort mit einiger Verspätung spielen durften. Aber allein ihr Aussehen war etwas, das ich nicht mit einem Festival wie dem Amphi zusammengebracht hätte. Mit ihren Jeans passten sie irgendwie nicht so recht ins Bild hinein. Und auch von der Musik, war es nicht das, was man sich als letzte Band vor dem Headliner vorgestellt hatte. War das Festival bis jetzt eher Elektro-lastig, mischten The Gathering dieses mit ihrem Progressive-Rock doch ziemlich auf. Das Publikum reagierte etwas verhalten auf die fünf Damen und Herren aus Holland und nach etwas über einer Stunde Musik, beklatschten sie diese doch relativ höflich.

Für uns endete so ein doch sehr schönes Festivalwochenende. Fazit: Sicher, auch wenn einem das Wetter oftmals einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, so war es doch ein erlebnisreiches Wochenende mit einer Menge Spaß und guter Musik. Und so darf man gespannt sein, welche Geschütze im nächsten Jahr auf dem kommenden Amphi aufgefahren werden…

Festivalfotos

 

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