Bericht: Diana Dittrich  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Als ich am Samstagmorgen aufwachte, ahnte ich bereits, dass es nicht besonders warm werden würde. Also besser ein wenig dicker angezogen und ab zum Bahnhof um von dort aus nach Köln zu fahren. Am Tanzbrunnen schließlich angekommen, hatten wir noch genügend Zeit unsere Bändchen zu holen und mit wiedergetroffenen Bekannten zu plaudern, bevor es dann auf der Mainstage mit Coppelius losgehen konnte.

Coppelius

Mit Coppelius betraten an diesem Tag wohl die ältesten, noch lebenden Musiker der Welt die Bühne. Denn schenkt man den stilvoll in Gehröcke und Zylinder gewandeten Männern Glauben, so können diese stolz auf eine über 200-jährige Bandgeschichte zurückblicken.
Bevor sie mit ihrem Auftritt jedoch so richtig beginnen konnten, betrat zu erst ihr Butler Bastille die Bühne und begrüßte das Publikum stilvollendet, bevor er sich der Sauberkeit der Bühne widmete. Nachdem zu guter Letzt auch das letzte Staubkörnchen von den Instrumenten gewedelt war, betraten die fünf Musiker die Bühne und legten sofort los. Wer hier aber nur an Kammermusik denkt, liegt falsch. Denn auch wenn die Kammermusik eine Rolle spielt, so paart sich diese jedoch mit feinstem Metal, was sich zwar ein wenig skurril anhört, jedoch durchaus hörbar ist. Trotz der Rolle des Openers, schlagen sich die ehrenwerten Herrn super, was vielleicht an der Jahrhundertelangen Routine liegen mag. Das Publikum wussten sie zumindest zu überzeugen.

Auto-Auto

Während draußen auf der Mainstage der Auftritt von Coppelius noch im vollen Gang war, war es gegen halb Eins auch in der Rheinparkhalle soweit, das Festival einzuläuten. Dort hatte die schwedische Newcomer-Band Auto-Auto die Ehre aufzuspielen. Auf ihrer Playliste standen neben Liedern von ihrem Album „Celeste“, das sie im vergangenen Oktober veröffentlichten, auch ein ganz neuer Song. Ihren auftritt meisterten sie gut, was ihnen eine Menge Applaus einbrachte.

Mantus

Mit Mantus kam um kurz vor eins eine Band auf die Bühne, auf deren Auftritt ich mich schon vor Wochen gefreut hatte. Die Band, die sich 1997 gründete, 2005 auflöste und die sich 2008 wiedervereinte, hatte bis zu diesem Tag noch kein einziges Konzert gegeben. Am diesjährigen Amphi also die langersehnte Premiere!
Leider muss ich gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht war, von ihrem Auftritt, hatte ich mit doch ein wenig mehr erwartet. Sicher, für den ersten Auftritt ever, war er nicht schlecht, doch wenn man durchaus bekannte Lieder wie „kleiner Engel flügellos“ nun live hört, ist man irgendwie ein wenig enttäuscht.
Die Songauswahl war nichts desto trotz klasse. Eine bunte Mischung aus 12 Jahren Bandgeschichte.

Solar Fake

Der Sänger und Mastermind von Solar Fake dürfte in der Szene kein unbeschriebenes Blatt sein, ist doch Sven Friedrich neben Solar Fake auch mit seinen Projekten Dreadful Shadows und Zeraphine unterwegs. Mit Solar Fake zeigt Sven Friedrich, dass er auch im elektronischem Abschnitt so einiges zu bieten hat, was nicht minder erfolgreich daherkommt, wie seine anderen Projekte.
Auf dem diesjährigen Amphi präsentierte er einige Songs seines Solo-Debütalbums „Broken Grid“, die bei den Fans gut angenommen wurden. Die gute Stimmung des Publikums wurde nur noch von Svens bis über beide Ohren stahlenden Lächelns getoppt. Und auch der, während diesem Auftritts einsetzenden, Regen, konnte der Stimmung wenig anhaben. So rückte das Publikum einfach unter den, für den Tanzbrunnen so typischen Pilzen, ein wenig enger zusammen.

Xotox

Kurz vor halb drei betrat Andreas Davis die Bühne und fragte seine Fans: „Wollt Ihr Krach?“, was diese prompt lautstark forderten. Als besonderes Highlight dieses Auftrittes muss vor allem die Trommel genannt, werden, aus der bei jeden Schlag kleine Rauchkringel heraus befördert wurden, die dann über das Publikum hinweg flogen. Der Suchscheinwerfer, der gen Publikum ausgerichtet war und die harten Beats gaben, in Kombination mit dem tanzenden Publikum, sorgten schnell dafür, dass die Raumtemperatur schnell über 40° Celsius stieg.

The Birthday Massacre

Während Xotox in der Rheinparkhalle ihr letztes Lied anspielten, betraten draußen auf der Mainstage The Birthday Massacre gerade die die Bühne. Die Kanadier, die ihre Musik nicht einfach nur als reine Musik sehen, sondern mit ihren Auftritten ein Gesamtpaket aus Musik, Performance, Schminke und Mode, wurden diesem Anspruch wieder einmal gerecht.
Und wenn man Sängerin Chibi so beobachtet, kommt in einem doch manchmal die Frage auf, wie so viel Energie und Ausdauer in einen doch verhältnismäßig kleinen Menschen passt. Während des gesamten Auftrittes gab es kaum ein Lied, bei dem sie nicht im Takt der Musik hüpfte und dabei doch nicht außer Puste kam. Aber auch der Rest der Band, mit Ausnahme des Schlagzeugers, ließen es sich nicht nehmen und hüpften ausgiebig mit.
Irgendwann war es dann aber auch mit dem exzessiven Rumhüpfen irgendwann einmal zu Ende. Doch verging der Auftritt der sympathischen Kanadier viel zu schnell, obwohl sie doch fast eine ganze Stunde zu ihren Fans spielen durften. Doch viel Zeit zu trauern blieb dem Publikum nicht, stand doch schon die nächste Band hinter der Bühne in den Startlöchern.

Eisbrecher

Und diese war niemand anderes als Alexx mit seinen Mannen von Eisbrecher. Doch bevor diese aufspielen durften, verkündete Honey von Welle Erdball, der Moderator der Mainstage an diesem Wochenende, ein wenig stolz, dass dieser gegen Eisbrecher beim Kickern gesiegt habe. Trotz dieser sportlichen Niederlage, bewiesen Eisbrecher, dass sie dafür musikalisch in Höchstform waren und legten mit „Kann denn Liebe Sünde sein?“ so richtig los. Dabei schlug Alexx wie üblich seine Eispickel aneinander, die er aber im Laufe dieses Auftrittes beiseite legte. Generell wendete er, wie oft üblich das Zwiebelprinzip an, was den anwesenden Frauen sichtlich beeindruckte. Neben dem grandiosen Opener, spielte Eisbrecher ein gutes Dutzend weiterer Songs, die allesamt Ohrwurmcharakter besitzen. Für „This is Deutsch“ wechselte er sogar sein Outfit und trug einen bayrischen Hut. Auch wenn diese Art von Hüten vielleicht ein wenig hinterwäldlerisch sind, so muss man doch sagen, dass sie ihm ausgezeichnet stehen und er vielleicht sogar ein wenig sexy damit aussieht :). Als krönenden Abschluss spielten sie noch „Miststück“; bei welchem Lied Alexx sogar die Bühne verließ und in den Bühnengraben sprang, um dort mit seinen Fans gemeinsam zu singen.
Die ausgiebigen Jubelrufe am Ende ihres Auftrittes zeigten aber eins ganz deutlich: Eisbrecher gehören doch eher zu den Gewinnern, als wie zu den Verlierern.

Absolute Body Control

Leider traten quasi zeitgleich zu Eisbrecher Absolute Body Control in der Rheinparkhalle auf, weswegen wir davon nur zwischendurch einmal kurz etwas mitbekamen.

Leather Strip

Als Moderator Honey auf die Bühne kam, kündigte er Leather Strip als eines der Highlights des diesjährigen Amphi’s an und wenn man davon ausgeht, dass Claus Larsen über 16 Jahre lang nicht aufgetreten ist, dann ist das definitiv ein wahres Highlight, dass er es ausgerechnet auf dem Amphi getan hat!
An diesem Wochenende bewies er eindrucksvoll, dass er in den Jahren Bühnenabstinenz wenig verlernt hatte und dass auch ein einzelner Künstler es schafft, eine ganze Festivalgemeinde in Partystimmung und zum Tanzen zu bringen. Der Künstler selber war total begeistert, vielleicht schon ein wenig ungläubig, über so viel Herzblut der Fans, so äußerte er sich „I cannot believe this!“. Größtenteils blieben seine Ansagen jedoch unverständlich, da die Mikros so seltsam eingestellt waren, dass man es beim besten Willen nicht verstehen konnte. Aber was man dafür umsobesser verstehen konnte, das war die Musik und die war klasse!

Agonoize

Als wir um kurz vor halb sieben in die Rheinparkhalle kamen, platzte diese schon aus allen Nähten. Auf der Bühne war ein überdimensional großes Kreuz aufgebaut und die Bühne wurde überwiegend durch blaue, grüne und rote LEDs ausgeleuchtet. Als es dann endlich soweit war und die Band die Bühne betrat, gab es in den Reihen der Fans kein Halten mehr und schon bei den ersten Tönen des ersten Liedes wurde mitgesungen und auch das Tanzbein wollte einfach nicht still stehen. Wie es bei Auftritten von Agonoize üblich ist, so floss auch dieses Mal eine Menge Kunstblut. Aus diesem Grund war auch ab halb sieben Ü18 in der Rheinparkhalle angesagt.

Covenant

Während es drinnen, in der Halle, noch ziemlich laut zur Sache ging, war um sieben auf der Main ein etwas ruhigerer Act angesagt. Aus Schweden kommend spielten dort nämlich Covenant. Die Band um den charismatischen Sänger Eskil Simonsson hatten für ihre Fans über eine Stunde feinsten Elektro im Gepäck, zu dem, neben Klassikern, wie Bullet oder Call the Ships, auch zwei neue Songs gehörten. Und auch wenn Sänger Simonsson sich vielleicht ein wenig unpassend kleidet, für ein solches Event, nämlich in hellem Anzug und Hut, so weiß er doch, wie er die Mengen begeistern kann. Aber irgendwie ist dieser Anzug und der Hut doch auch fast so etwas wie ein Markenzeichen dieser Band.
Alles in Allem kann man sagen, das der diesjährige Amphi-Auftritt mehr als gelungen war, hoffentlich sieht man ihn nächstes Jahr auf dem Amphi wieder, dann das dritte Mal in Folge, aber: Immer wieder gerne!

Feindflug

Leider überschnitten sich Feindflug und Covenant um etwa 10 Minuten und als wir dann kurz nach dem Covenant-Auftritt versuchten, in die Rheinparkhalle zu gelangen, war der Eingang geschlossen. Warum, das erfuhren wir erst später. In der Rheinparkhalle war nämlich ein Stück des Putzes von der Decke gefallen, weswegen der Auftritt von Feindflug kurzfristig unterbrochen wurde. Und die weiteren Konzerte dieses Wochenendes kurzerhand von der Rheinparkhalle in das Theater am Tanzbrunnen verlegt wurden, weswegen die Filmvorführungen, die an diesem Wochenende dort stattfinden sollten abgesagt wurden. Aber Goth sei Dank, bei diesem Zwischenfall wurde zum Glück niemand verletzt.

Fields of the Nephilim

Als Headliner dieses Abends konnte man niemand geringeres wie Fields of the Nephilim verpflichten, zumindest was die Mainstage anbelangt. Um die Band gebührend zu begrüßen, ließ sich Honey etwas ganz besonderes einfallen: er holte einen Fan von Fields of the Nephilim auf die Bühne, der dann seine Idole ankündigen durfte. Diese Aufgabe löste dieser ziemlich souverän. Nach einem instrumentalen Opener betrat McCoy die Nebel behangene Bühne.

Festivalfotos

 

ähnliche Artikel