Bericht: Anne Mühlbauer  |  Fotos: Simon Hönscheid  |  Kategorie: Festivalberichte  |  

Offiziell ging es denn schließlich samstags um halb elf im Theater los. Hier präsentierten Welle: Erdball ihren Film „Operation: Zeitsturm“ und stimmten die Besucher somit bereits auf ihren später am Tag stattfindenden Auftritt ein. Ich wohnte der Filmaufführung erst am darauffolgenden Vormittag bei, sodass ich an dieser Stelle einfach mal auf die Schilderungen des nächsten Tages verweise.
Von 12 Uhr an spielten Mina Harker, ihres Zeichens der Orkus-Newcomer 2008, als erster Act des diesjährigen Amphi-Festivals eine halbe Stunde lang auf der Mainstage.
Direkt im Anschluss daran ging es im Theater mit Noisuf-X und elektronischen Klängen weiter, denen ebenfalls nur dreißig Minuten Spielzeit zur Verfügung standen. In dieser Zeit spielten sie unter anderem „Hit Me Hard“ und „Tinitus“, welche die Menge zum Kochen brachten. Besonders hervorzuheben wäre an dieser Stelle noch jener Fan, der seiner Freundin auf der Bühne einen Heiratsantrag machte. Daran sieht man mal wieder, dass Romantik von jedem anders empfunden wird.
Constance Rudert ist dem ein oder anderen sicherlich bereits von Blutengel her ein Begriff, bei denen sie als Co-Sängerin aktiv ist. Mit Cinderella Effect ging die rothaarige Dame denn nun auf der Hauptbühne mit ihrem anderen Projekt an den Start, zusammen mit Corale Thomas und Katja Gutowski.
Das Konzept: Coverversionen bekannter Hits mit der Rudert’schen Stimme wiedergeben: von Zeromancers „Clone Your Lover“ über das großartige „Zombie“ von den Cranberries (das sich aber meiner Meinung nach längst nicht mit dem Original messen konnte…) bis hin zu Stücken wie „Summer Wine“ schlug man musikalisch einen recht großen Bogen und verlieh den Songs teilweise einen sehr eigenen Anstrich. (Wobei die Gesangsdarbietung von Frau Rudert – hier nun in voller Pracht zu hören und nicht gnädig überlagert – ohnehin „eigen“ zu nennen ist. Ahem.)
Ergänzt wurde die Setlist schließlich durch die eigene Komposition „Wenn die Liebe ein Engel ist“.
Insgesamt ein wohlgefälliger Auftritt, der mich aber nun nicht gerade vom Hocker zu reißen vermochte.
Während Cinderella Effect ihren letzten Song anstimmten, betraten im Theater Nachtmahr die Bühne.
Einen dezenten Stilwechsel gab’s hier nun auf die Ohren, steht Thomas Rainers (seines Zeichens Sänger von L‘Âme Immortelle) Projekt doch für elektronische Härte und ist somit eindeutig Geschmackssache. Auf die Rückwand der Bühne projizierte man während des 40minütigen Auftritts als passende optische Untermalung Schlachtszenen und Zitateinblendungen, während drei Mädels tanzten und Thomas Rainer durch einen Keyboarder unterstützt wurde.
Anschließend hieß es, zur Mainstage zu flitzen, um ja nicht den Auftritt der charismatischen Jungs von Zeromancer zu verpassen. Wie bereits beim Zita-Rock-Festival, wo wir die fünf bereits Ende Mai gesehen und gehört hatten, heizten diese ihrem Publikum ordentlich ein ud sorgten mit Hits wie „Need you like a Drug“, „Clone Your Lover“ oder dem eigentlich schon zum Pflichtprogramm gehörenden „Doctor Online“ für eine erstklassige Stimmung. Zwischendurch flocht man immer wieder neuere Stücke wie „I‘m Yours to Lose“ in die Setlist ein.
Das Wetter war uns an diesem Tag mit Sonnenschein und Temperaturen um die zwanzig Grad noch wohlgesonnen, sodass man allmählich ins Schwitzen kam.
Unterdessen ging es im Theater weiter mit Grendel, ein Duo aus Holland, welches seinen Bandnamen aus der Sage um Beowulf entlehnt hat. Grendel stellten unter Beweis, dass sie nicht nur namentlich, sondern auch als Live-Band einem Monster gleichen. Die Show war sehr energiegelden und die Setlist umfasste Tracks aus ihrer kompletten Schaffensphase, unter anderem den Hit „Soilbleed“ und sorgte für eine tanzende Menge.
Weiter ging es mit dem schwedischen Boy-meets-Girl-Duo Ashbury Heights.
Ashbury Heights waren als Überraschungsband zum Amphi-Festival-Lineup hinzugefügt worden, was viele Fans des Elektropops sicher gefreut hat. Die Band brachte überwiegend Lieder aus ihrer aktuellen EP „Morningstar In A Black Car“ und hatte dabei sichtlich Freude.
Auf der Mainstage machten sich Welle: Erdball fertig zum Alarmstart und bescherten den Fans einen erstklassigen, energiegeladenen Auftritt. Dies verwundert insofern nicht, als dass die Truppe um den charismatischen Honey (der im Übrigen die Mainstage des Amphi-Festivals moderierte) für ihre hervorragenden Bühnenshows bekannt sind.
Auch dieses Mal hatte man sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen: im Hintergrund der Bühne war eine große Plane aufgespannt, die im Verlauf des Auftritts mit Bildern und Slogans besprayt wurde.
Zu hören gab es unterdessen Hits wie „Arbeit adelt“ und „Wir wollen keine Menschen sein“, auch der „Starfighter F104-G“ durfte natürlich nicht fehlen.
Im Anschluss daran folgte auf der Hauptbühne der Auftritt Zeraphines. Die Formation um Sänger Sven Friedrich (den dem geneigten Hörer auch durch seine anderen beiden Projeke, die Dreadful Shadows sowie Solar Fake ein Begriff ist) spielte binnen 50 Minuten ein sattes Programm, das die Fans begeisterte und natürlich nicht auf Songs wie „Be My Rain“ oder „Die Wirklichkeit“ verzichtete.
Im Theater spielten währenddessen Haujobb ihr Abschiedskonzert. Damit verliert die Elektroszene nun eines ihrer kreativsten Projekte – Haujobb veröffentlichten ihr erstes Album 1993, weitere 14 Alben folgten bis 2008.
Der Auftritt selber badete den Zuschauer in den verschiedensten Stimmungen und sorgte zusammen mit Daniel Myers charismatischem Auftreten für einen bleibenden Eindruck. Letzteren würden wir später am Tag noch einmal erleben dürfen, alldieweil er seit Neuestem Mitglied bei Covenant ist.
Danach spielten Tactical Sekt Industrial mit Noise- und Techno-Einflüssen, ich zog dieser recht düsteren Location jedoch die Hauptbühne vor und wohnte dem Auftritt der Schweden von Covenant bei.
Sänger Eskil Simonsson, Joakim Montelius und Daniel Myer lieferten denn auch – im Falle Joakims dank des Amphi-Cups humpelnderweise auf Krücken – eine erstklassige Show ab, eröffnet von „Monochrome“, und begeisterten damit die unzähligen Fans, die allesamt tanzten, klatschten und den Musikern zujubelten.
Im Laufe der folgenden Stunde reihte sich denn mit „20 Hz“, „Dead Stars“, „Invisible And Silent“, „We Stand Alone“ oder „Ritual Noise“ ein Hit an den nächsten. Eskil und die Seinen zeigten sich denn auch sichtlich gutgelaunt anbetrachts des feiernden Publikums.
Gegen Ende des Auftritts meinte auch Petrus, sich äußern zu müssen, und ließ einen Regenschauer über dem Festivalgelände niedergehen – der Begeisterung tat dies jedoch keinen Abbruch.
Mit Rotersand betrat nicht etwa ein Leuchturm, sondern die Elektroband aus Deuschland die Alternative-Stage des Theaters. Gespielt wurden unter anderem „Electronic World Transmission“, „Merging Oceans“, „Exterminate, Annhilate And Destroy“ sowie eine neue Version von „I Cry“, welche auf dem im September erscheinenden Album zu finden sein wird.
Somit hatte auch die Theaterbühne für den Rest des Abends eine erstklassige Besetzung im Angebot, wenngleich es mich mehr zur Mainstage mit Deine Lakaien und dem Headliner Oomph! hinzog.
Alexander Veljanov wurde von den wartenden Fans frenetisch begrüßt, als er schließlich gemeinsam mit Ernst Horn die Bühne betrat. Ein Best-Of-Programm sollte den Fans heute dargeboten werden, was mich im Vorfeld zu der Frage bewegte, wie man wohl die Crème de la crème aus nunmehr dreiundzwanzig (!) Jahren Bandgeschichte innerhalb von siebzig Minuten versammeln sollte. Gelungen ist dies denn schließlich mit vielen Klassikern wie „Coulorize“ , „Over and Done“, „Generators“ oder „Where You Are“. Begleitet wurden Veljanov und Horn dabei, wie üblich bei Live-Auftritten, von einer Cellistin sowie Violine und einem E-Bass.
Es mag wohl niemanden gegeben haben, bei dem beim abschließenden „Love me to the End“ nicht eine Gänsehaut aufkam…
Einen recht herben Stilwechsel bedeutete der nun anschließende Auftritt von Oomph! - wobei Deine Lakaien an sich einen sehr schönen Ausklang des ersten Festivaltages abgegeben hätten. Aber nun gut.
Frei nach dem Motto „Weiß ist das neue Schwarz!“ betrat schließlich um halb neun der Oomph’sche Sänger Dero die Bühne ganz in Weiß gekleidet, mit ihm seine Mitstreiter Crap und Flux. Wie es sich für den Auftritt des Headliners geziemt, war der Bereich vor der Bühne denn auch brechend gefüllt mit begeisterten Fans. „Das letzte Streichholz“ oder das eigentlich schon unvermeidliche „Augen auf!“ wurden von selbigen ziemlich überdreht aufgenommen, ebenso wie „Gekreuzigt“ und „Fieber“. Die „Brennende Liebe“ durfte natürlich in der Setlist nicht fehlen, auch nicht die „Schlinge“ und „Das weiße Licht“.
Denkt man an Dinge wie den Auftritt beim Bundesvision Song Contest 2007 oder den ersten Platz in den Charts mit „Augen auf!“ drei Jahre zuvor, so liegen die ewigen „Das ist aber Mainstream…“-Kritiker nicht ganz falsch.
Wie dem auch sei, Dero und die Seinen brachten das Publikum ordentlich zum Abgehen und bescherten ihren Fans vor der Mainstage damit einen gelungenen Abschluss des Abends.
Währenddessen beschlossen im Theater Combichrist den Abend schließlich mit einer großartigen Show im Theater, die keine großen Wünsche offen ließ:
Gespielt wurden alle großen Hits der norwegischen Industrialband. Die Stimmung im Publikum kochte und im Theater wurde es so immer heißer. Das Publikum tanzte und feierte und auch, als Combichrist gegen 22 Uhr 30 die Bühne verließen, wurde es nicht müde, weiter Zugaben zu fordern – welche dann in Form von „Blut Royale“ und „This Shit Will Fuck You Up“ nochmals letzte Energiereserven mobilisierten.

Festivalfotos

 

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